Das Ukrainer- Problem -
Das Auseinanderfallen von Nationalität und Staatsbürgerschaft

 

Ein Problem bei der Rückführung der DPs in ihre Heimatländer war auch das Auseinanderfallen von Nationalität und Staatsbürgerschaft. Besonders die westlichen Militärs standen ratlos vor diesem Problem, da sie dieses Phänomen nicht mit ihren eigenen historischen und politischen Erfahrungen deuten konnten.
Es handelte z.B. um die kleine Gruppe von DPs, die sich als Ukrainer verstanden und je nach regionaler Herkunft und individueller Option die sowjetische, polnische, rumänische oder die tschechische Staatsangehörigkeit besaßen, oder als die Inhaber von Nansen-Pässen aus der Vorkriegszeit offiziell staatenlos waren.
Das Auseinandertreten von Staatsangehörigkeit als der förmlichen Beziehung zwischen Individuum und Staatsgewalt einerseits und der Nationalität als einer das Selbstverständnis dieser Personengruppe regulierende Klassifikation andererseits zog das Prinzip von Staatsbürgerschaften vereinheitlichtem System der Repatriierung grundsätzlich in Zweifel.
Die Zuständigen der US-Zone entschieden 1945, Ukrainer seien nicht als eine eigene Nationalität anzuerkennen und so sollte allein aufgrund von Staatsangehörigkeiten entschieden werden. Etwa zur gleichen Zeit erklärte die britische Besatzungsverwaltung, dass sie die ukrainische Nationalität nicht als eine eigene anerkennen werde. Die UNRRA schloß sich Ende 1945 dem anglo-amerikanischen Votum an und wies darauf hin, dass sie nicht ermächtigt sei Rechtsentscheidungen zu treffen, sondern lediglich über Repatriierungsziel und Fürsorgeberechtigung der DPs befinden könne.

Die ukrainischen DPs

Die von den Besatzungsmächten aufgestellte Aufgliederung nach Staatsbürgerschaften passte das Problem den Kategorien des Verwaltungsrechts an, unter das die DPs gestellt waren, besaß für die Betroffenen jedoch keinen beruhigenden Charakter, sondern schürte ihre Angst vor einer Zwangsrepatriierung nach Zuweisung der sowjetischen Staatsbürgerschaft.
Die davon Betroffenen DPs zeigten daher eindeutigen Widerwillen gegen die Rückkehr in die Heimat und damit unter die russische Herrschaft. Sie bevorzugten es, in den jeweiligen Zonen, also in Deutschland, zu bleiben. Der Grund für ihre Weigerung lag in der Angst, dass die Russen sie als Kollaborateure ansehen könnten und sie entweder ins Gefängnis sperren oder nach Sibirien verschicken würden.
Dass diese Angst nicht unberechtigt war, stellte sich schon gegen Ende 1946 heraus, als davon berichtet wurde, dass Ukrainer polnischer Herkunft von den dortigen Behörden bei ihrer Ankunft in die Sowjetunion abgeschoben würden.




 
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