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Mühlenberg: Viele haben die Heimat nie wiedergesehen
Schüler der Integrierten Gesamtschule Mühlenberg haben das Leben im Lager Schierholzstraße in Buchholz erforscht.

Ein wehmütiger Reim auf die ferne Heimat steht in dem Poesiealbum. Ob dessen Besitzer jemals heimgekehrt ist, weiß niemand. Das Gedicht ist nur eines von vielen Dokumenten, die die Schüler des Projektkurses Geschichte an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mühlenberg zusammengetragen haben. Ihre Ergebnisse über das "DP"-Lager Schierholzstraße 41" sind jetzt in den Räumen der Polnischen Katholischen Mission im Groß Buchholzer Stilleweg 12 B zu sehen. Die Abkürzung "DP" steht für "Displaced Person". Als solche wurden Menschen bezeichnet, die im Zweiten Weltkrieg als ehemalige Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt wurden und später nicht heimkehren konnten. Viele von ihnen lebten bis 1964 in der Schierholzstraße 41.

Die Recherchen über das Lager, an dessen Stelle heute das Bundessortenamt steht, gestalteten sich schwieriger als Geschichtslehrer Reinhard Tegtmeier-Blanck gedacht hatte. Viele Unterlagen, auf die er und seine Schüler gehofft hatten, waren vernichtet. So waren die Teilnehmer der Projektkurses vor allem auf Berichte Überlebender angewiesen, von denen sie noch etliche in der Polnischen Katholischen Mission und der Ukrainischen Gemeinde fanden. Die Gespräche mit ehemaligen "DPs" waren besonders aufschlussreich - wenngleich nur wenige aus der ersten Generation die schmerzhaften Erinnerungen im Interview wieder wachrufen wollten.

Sehr viel gesprächiger waren die Angehörigen der zweiten Generation. "Die haben erzählt, dass sie mit der ganzen Familie auf zehn Quadratmetern leben mussten", berichtet Nicola Braun, die zusammen mit sieben anderen Schülern die Ausstellung erarbeitet hat. "Und im dunklen Flur zwischen den Zimmern hat es immer nach Essen gerochen, weil die in ihren Zimmern auch noch kochen mussten", ergänzt ihre Mitschülerin Dinah Eßer. "Nur wenn sie mehr als sechs Leute waren, bekamen sie vielleicht ein zweites Zimmer", fügt Nina Scholz hinzu und zeigt auf eine Luftaufnahme mit Lager-Wohnblöcken.

Besonders entsetzt waren die Schüler über ein Merkblatt zum Umgang mit Polen. Dass man sie nicht ins Haus lassen sollte, stand beispielsweise darauf. "Ein starkes Stück", findet Dinah. Aber abgesehen von Diskriminierungen war das Leben im Lager offensichtlich nicht so schlecht, wie die Mädchen zunächst gedacht hatten. "Die bekamen in den ersten Nachkriegsjahren sogar mehr Luxusgüter als Deutsche - zur Entschädigung", erzählt Dinah Eßer. Auch zeigen Fotos von kirchlichen Feiern, Familienfesten, von Kindern mit Seifenkisten und Fahrrädern, dass das Leben im Lager nicht nur unglücklich gewesen sein kann.

In der Ausstellung sind zudem alte Arbeitskarten und Ausweise zu sehen, alte Zeitungsberichte und Lager-Fotos aus dem Archiv von Wilhelm Hauschild sowie Ausschnitte aus "Glos Polski", einer Hannoverschen Lagerzeitung für Polen. Das alles und noch viel mehr können sich Interessierte noch bis Sonntag, 16. Juni, jeweils montags bis freitags von 9.30 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr ansehen. Anmeldungen werden unter Telefon 6 49 85 04 erbeten. Im Juni erscheint außerdem eine Broschüre zur Ausstellung. Die Internetseite zum Thema ist unter www.Geschichtsatlas.de zu finden.

kat
VERÖFFENTLICHT 15.05.2002 16:24 UHR




 
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