Hannoversche Neueste Nachrichten, 9.Januar 1948
"Diskussion um Ausländerlager"
"[...] (fe - Eigenbericht )
Die Überwachung der Ausländerlager in Niedersachsen soll so durchgeführt werden ,daß die Bevölkerung vor Übergriffen und Verbrechen der Insassen dieser Lager hinreichend geschützt wird, forderte ein Antrag der Deutschen Partei, der einstimmig angenommen wurde. Ein weiterer Antrag der KPD-Fraktion, bei der Militärregierung zu erwirken, daß die Insassen der Lager ab sofort den geltenden deutschen Gesetzen unter deutscher Gerichtsbarkeit unterstellt würden, wurde vom Landtag an den Rechtsauschuß zur weiteren Beratung überwiesen.

Zur Begründung des Antrags der DP (="Deutsche Partei"!, d. Verf.) erklärte Abgeordneter Burfeindt (DP), die Ausländerlager, die in den Westzonen etwa 250 Tausend Personen enthielten, seien immer stärker zu Ausgangspunkten von Diebstählen und Raubüberfällen geworden. Erhebliche Mengen von Nahrungsmitteln und Gebrauchgegenständen seien von den Ausländern geraubt worden. Gewiß könne man Mitleid mit manchen der Insassen haben, die durch eine tragische Entwicklung auf diesen Weg getrieben worden sein. Das bedeutete aber nicht, daß man die deutschen Ansiedlungen Gefahren aussetzen kann. Eine Entwaffnung der Lager müsse stattfinden. Die deutsche Partei unterstütze den Antrag der KPD. Der Antrag der DP fand die Zustimmung aller Parteien. Abgeordneter Dr. Diederichs ( SPD ) betonte, das Hauptproblem liege darin, das wir überhaupt vom System der Lager loskommen müssen. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß deutsche Stellen bald gesetzlich über die Polizei verfügen können.

Der Abgeordnete Riesling ( CDU ) zeigte an dem Beispiel des Kreises Watenstedt - Salzgitter die Gefahren der Entwicklung auf. Dort seien nicht weniger als 22 Tausend Vertriebene untergebracht. Der gesamte Kreis leide unter den Diebstählen, die von den Lagern ausgingen.; oft komme es nächtlich zu harten Kämpfen mit Verlusten an Toten und Verwundeten. Mit man drei bis vier Feuerwaffen den einzelnen Dörfern überließe, würde ein erheblicher Teil der Überfälle schon aufhören. Es wäre gut, wenn die Vertriebenen ungefährdet in die Heimat zurückkehren könnten.
Der Redner ging dann auf die Lebensmittelverluste ein, die der deutschen Bevölkerung durch die Lieferung an die Lager entstehen. Der Bedarf der Läger im Kreise Watenstedt - Salzgitter haben bei einer Belegung von etwa über 22000 Menschen für eine Woche im August betragen: Brot 65.700 Kg, Nährmittel 14.200 Kg, Zucker 2.380 Kg, Marmelade 2.480 Kg, Butter 2.690 Kg, Fleisch und Wurst 5.540 Kg, Kartoffeln 71.900 Kg. Er habe sich gefragt, wie es möglich sei, daß diese an diese relativ beschränkte Anzahl Menschen geliefert würden, um so mehr, als es heiße, das sie nur noch die deutschen Rationssätze behielten. Er habe daraufhin feststellen können, daß nur ein Viertel der Insassen als Normalverbraucher angesetzt sind, 12% wurden als Schwangere und stillende Mütter geführt und der Rest erhalte Schwer - Schwerstarbeiter - zulagen. Man müsse mit diesem Staat im Staate ein Ende machen.
[...]
Im übrigen wurden eine Reihe kleinere Angelegenheiten an dem zweiten Sitzungstage erledigt. Ein Antrag der FDP, der die Staatsregierung ersucht, mit äußerster Beschleunigung eingesetzt vorzulegen, das wirksame Maßnahmen zur Beseitigung der Not der Jugendlichen trifft und ggf. die gerichtlich angeordnete Arbeitserziehung vorsieht, wurde nachdem sich auch Kultusminister Grimme dafür eingesetzt hatte, mit großer Mehrheit angenommen. Er nannte dabei als Voraussetzung geeignete Unterkunft, gute Erzieher und Arbeitsmöglichkeiten. Ein Antrag der KPD, Schwerarbeiterzulagen im Hinblick auf die gespannte Ernährungslage auch bei einer 36-Stunden-Woche weiterhin herauszugeben, wurde angenommen. [...]"







 
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