Persönliche Erfahrungen im Projektkurs
"Geschichte des DP-Lagers Schierholzstr. 41 in Hannover-Buchholz"

Als ich während der 11. Klasse (1999) von einem Projektkurs in Geschichte erfuhr, war ich gleich gespannt, was es damit auf sich hatte. Mein Interesse wurde aber endgültig geweckt, als ich Näheres über die unüblichen Arbeitsmethoden und das Lehrer- Schüler-Verhältnis erfuhr.
Es sollte anders als in meinem bisherigen Geschichtsunterricht nicht fertiges Wissen nach Büchern reproduziert werden, sondern Fakten sollten selbst recherchiert und zusammengestellt werden (entdeckendes Lernen). Um dies zu tun, müsste man dann den gewohnten Klassenraum verlassen und an Orten, wie zum Beispiel im Staatsarchiv, arbeiten.
Außerdem sollte der Lehrer nicht, wie sonst üblich, das zu bearbeitende Thema schon vollständig kennen, sondern sich genau wie die Schüler auf etwas Neues, Fremdes und Unerforschtes einlassen. Dabei sollte er nicht als Autoritätsperson den Ablauf und die Richtung allein bestimmen, sondern sich gemeinsam mit den Schülern den auftretenden Problemen stellen und diese in Zusammenarbeit mit den Schülern lösen.
All dies reizte mich so, dass ich diesen außergewöhnlichen Kurs im 12. Schuljahr wählte.

Meine positiven Erwartungen wurden bestätigt. Zwar muss ich zugeben, dass sich die Arbeit Zeit und Kraft raubender zeigte, als zuvor geahnt. Ich habe aber in diesem Kurs nicht nur viel über das Thema "Displaced Persons" gelernt, sondern auch über mich. Es ist nicht immer leicht für mich gewesen, nicht den Mut und die Geduld zu verlieren, wenn ständig neu aufkommende Fragen nicht sofort beantwortet werden konnten. Oft war es ein langwieriger Prozess, bis alle von mir recherchierten Informationen zusammen passten und einen Sinn ergaben. Dabei war ich oft auf mich allein gestellt, da auch der Lehrer nicht immer eine Lösung wusste. So habe ich gelernt Probleme selbst zu lösen und Entscheidungen selbstständig zu treffen.
Gerade durch das nicht-kontrollierte Arbeiten habe ich lernen müssen, mir meine Zeit und Arbeit selber einzuteilen.

Auch nach Beendigung des Kurses beschäftigte ich mich weiter mit den ausgearbeiteten Informationen, denn wir hatten es in dieser Zeit noch nicht geschafft, die Broschüre, die zu diesem Thema erarbeitet werden sollte, fertigzustellen.
Nach meinen Abiturprüfungen in diesem Jahr stellte ich gemeinsam mit meinem Lehrer und einigen ehemaligen Kursteilnehmern eine Ausstellung zu diesem Thema zusammen. Diese Arbeit war wieder eine spannende, anstrengende Aufgabe für mich, auch hier stellten sich neue Probleme, die gelöst werden mussten: Wie sollten die Ausstellungswände aussehen? Wieviel e unserer zusammen getragenen Informationen sollten gezeigt werden? Wie sollten die Bilder befestigt werden?
In den meisten Fällen hatte sich mein Lehrer schon vorher Gedanken darüber gemacht und Vorkehrungen getroffen. Aber es kam vor, dass er auch keine gute Lösung wusste und wir gemeinsam das Problem lösen musste. Beim Erstellen der Ausstellung zeigt sich sehr deutlich, wie wichtig Teamgeist war. Bei unterschiedlichen Ansichten mussten Kompromisse eingegangen werden und es konnte nur dann produktiv gearbeitet werden, wenn alle mit anfassten.
Für mich war die fertige Ausstellung und die Begeisterung anderer daran eine wichtige Erfahrung und ein großer spürbarer Erfolg. Wahrscheinlich ein größerer und intensiverer Erfolg als eine Geschichtsklausur mit 15 Punkten!
Das Wichtigste für mich an dieser Arbeit sind jedoch nicht die sichtbaren Ausarbeitungen des Themas selbst, sondern die persönlichen Erfahrungen, mit Problemen umzugehen und (fast) selbstständig Dinge, die in dieser Form noch nicht erarbeitet worden sind, zu erforschen.
Ich glaube, dass ich in meinem weiteren Leben noch viel von dieser, für mich sehr prägenden Arbeit profitieren werde.




 
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