Als ich während der 11. Klasse (1999) von einem Projektkurs
in Geschichte erfuhr, war ich gleich gespannt, was es damit
auf sich hatte. Mein Interesse wurde aber endgültig geweckt,
als ich Näheres über die unüblichen Arbeitsmethoden
und das Lehrer- Schüler-Verhältnis erfuhr.
Es sollte anders als in meinem bisherigen Geschichtsunterricht
nicht fertiges Wissen nach Büchern reproduziert werden,
sondern Fakten sollten selbst recherchiert und zusammengestellt
werden (entdeckendes Lernen). Um dies zu tun, müsste man
dann den gewohnten Klassenraum verlassen und an Orten, wie zum
Beispiel im Staatsarchiv, arbeiten.
Außerdem sollte der Lehrer nicht, wie sonst üblich,
das zu bearbeitende Thema schon vollständig kennen, sondern
sich genau wie die Schüler auf etwas Neues, Fremdes und
Unerforschtes einlassen. Dabei sollte er nicht als Autoritätsperson
den Ablauf und die Richtung allein bestimmen, sondern sich gemeinsam
mit den Schülern den auftretenden Problemen stellen und
diese in Zusammenarbeit mit den Schülern lösen.
All dies reizte mich so, dass ich diesen außergewöhnlichen
Kurs im 12. Schuljahr wählte.
Meine positiven
Erwartungen wurden bestätigt. Zwar muss ich zugeben,
dass sich die Arbeit Zeit und Kraft raubender zeigte, als
zuvor geahnt. Ich habe aber in diesem Kurs nicht nur viel
über das Thema "Displaced Persons" gelernt,
sondern auch über mich. Es ist nicht immer leicht für
mich gewesen, nicht den Mut und die Geduld zu verlieren, wenn
ständig neu aufkommende Fragen nicht sofort beantwortet
werden konnten. Oft war es ein langwieriger Prozess, bis alle
von mir recherchierten Informationen zusammen passten und
einen Sinn ergaben. Dabei war ich oft auf mich allein gestellt,
da auch der Lehrer nicht immer eine Lösung wusste. So
habe ich gelernt Probleme selbst zu lösen und Entscheidungen
selbstständig zu treffen.
Gerade durch das nicht-kontrollierte Arbeiten habe ich lernen
müssen, mir meine Zeit und Arbeit selber einzuteilen.
Auch nach Beendigung
des Kurses beschäftigte ich mich weiter mit den ausgearbeiteten
Informationen, denn wir hatten es in dieser Zeit noch nicht
geschafft, die Broschüre, die zu diesem Thema erarbeitet
werden sollte, fertigzustellen.
Nach meinen Abiturprüfungen in diesem Jahr stellte ich
gemeinsam mit meinem Lehrer und einigen ehemaligen Kursteilnehmern
eine Ausstellung zu diesem Thema zusammen. Diese Arbeit war
wieder eine spannende, anstrengende Aufgabe für mich,
auch hier stellten sich neue Probleme, die gelöst werden
mussten: Wie sollten die Ausstellungswände aussehen?
Wieviel e unserer zusammen getragenen Informationen sollten
gezeigt werden? Wie sollten die Bilder befestigt werden?
In den meisten Fällen hatte sich mein Lehrer schon vorher
Gedanken darüber gemacht und Vorkehrungen getroffen.
Aber es kam vor, dass er auch keine gute Lösung wusste
und wir gemeinsam das Problem lösen musste. Beim Erstellen
der Ausstellung zeigt sich sehr deutlich, wie wichtig Teamgeist
war. Bei unterschiedlichen Ansichten mussten Kompromisse eingegangen
werden und es konnte nur dann produktiv gearbeitet werden,
wenn alle mit anfassten.
Für mich war die fertige Ausstellung und die Begeisterung
anderer daran eine wichtige Erfahrung und ein großer
spürbarer Erfolg. Wahrscheinlich ein größerer
und intensiverer Erfolg als eine Geschichtsklausur mit 15
Punkten!
Das Wichtigste für mich an dieser Arbeit sind jedoch
nicht die sichtbaren Ausarbeitungen des Themas selbst, sondern
die persönlichen Erfahrungen, mit Problemen umzugehen
und (fast) selbstständig Dinge, die in dieser Form noch
nicht erarbeitet worden sind, zu erforschen.
Ich glaube, dass ich in meinem weiteren Leben noch viel von
dieser, für mich sehr prägenden Arbeit profitieren
werde.
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