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Fazit
Es ging uns bei der Befragung der Zeitzeugen nicht um Schuldzuweisung oder "Abrechnung".
Wer sich umfassender mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander gesetzt hat, wird zu Recht befürchten müssen: auch wir hätten uns damals wahrscheinlich nicht viel anders verhalten als die Generation unserer Eltern bzw. Großeltern. Die Weimarer Republik war eine "Demokratie ohne Demokraten", eine "Republik ohne Republikaner". Eine Demokratie, die sich mit Inflation und Weltwirtschaftskrise konfrontiert sieht, hat es naturgemäß schwerer als eine, die durch ein "Wirtschaftswunder" geprägt ist.
Das geflügelte Wort "Bonn ist nicht Weimar" hat sich bestätigt. Doch weil schon einmal eine Mehrheit der bestehenden Demokratie in Deutschland gleichgültig oder feindselig gegenüber stand und einer Diktatur eher zutraute, mit den Problemen fertig zu werden, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass sich auch mit der gleichen scheinbaren Selbstverständlichkeit der Satz "Berlin ist nicht Weimar" bestätigen wird.
Gerade darum ist es wichtig, das Geschehene nicht zu verleugnen, zu verdrängen oder zu verharmlosen. Dazu soll dieses Projekt einen kleinen Beitrag leisten.
"Wir haben nichts
gewusst."
Ein Historiker, der sich überwiegend mit der Geschichte der Emslandlager beschäftigt,
fasste die Aussagen der Zeitzeugen einmal etwas sarkastisch so zusammen:
Fast alle sagen:
1. "Wir haben von nichts etwas gewusst!"
2. "Wir haben den Häftlingen heimlich eine Scheibe
Brot zugesteckt!"
Die bislang umfassendste Dokumentation über die Emslandlager haben Erich
Kosthorst und Bernd Walter in "Konzentrations- und Strafgefangenenlager
im Emsland 1933-1945"vorgelegt (hier zitiert nach:
Erich Kosthorst/Bernd Walter, Konzentrations- und Strafgefangenenlager
im Emsland 1933-1945 Düsseldorf 1985, gekürzte Taschenbuchausgabe des
1983 im Droste Verlag erschienenen Werkes "Konzentrations- und Strafgefangenenlager
im Dritten Reich Beispiel Emsland") :
Über "Die Wahrnehmung des Konzentrationslager-Terrors durch die Zeitgenossen"
findet sich dort:
"Was
in den Lagern wirklich vor sich ging, darüber erfuhr man wenig, oder es
bewegte sich jenseits der Grenzen des bürgerlichen Vorstellungsvermögens.
Das Betreten der Lager war ohnehin strikt untersagt [...]"
Aber auch: "Die Emsländer wußten einiges
von den Lagern, nicht nur durch Berichte von Lieferanten, die regionalen
Zeitungen informierten ebenfalls darüber." (S.22).
Die Bevölkerung des Emslandes, das zeigen die Wahlergebnisse der Weimarer
Republik, war alles andere als eine Hochburg der Nationalsozialisten;
und noch am 7. Juli 1940 schreibt der Kommandeur der Strafgefangenenlager,
SA-Oberführer Schäfer, in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft Osnabrück:
"Die Bevölkerung ist auch heute (7 Jahre nach Machtübernahme) noch
grundsätzlich gegen alles, was Parteigenosse und SA heißt."(ebd. S.23)
Anders als im "Kreuzkampf" hat sich die Bevölkerung des Emslandes jedoch
nicht gegen die Nationalsozialisten gestellt, sich nicht gegen die Einrichtung
von Konzentrationslagern in ihrer Region empört. Zum einen war man durchaus
damit einverstanden, hart gegen "Staatsfeinde " wie z.B. Kommunisten vorzugehen.
Dass diese für den Reichstagsbrand verantwortlich waren und einen Umsturz
planten, daran zweifelte kaum jemand. Wenn man in der Zeitung (z.B.: "Katholischer
Volksbote", 28.Juni 1933) las, "ein großer Teil der Häftlinge wird Kultivierungs-
und Torfarbeiten leisten. Im Anschluß hieran werden Leibesübungen getrieben
und außerdem gibt es bis zum Eintritt der Dunkelheit auch eine Freizeit"(ebd.
S.22) klang das nicht besonders erschreckend oder unangemessen. Hinzu
kam, dass die Existenz der Lager in dieser armen Region einen wichtigen
Wirtschaftsfaktor darstellte.
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