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Ein Wort zu den Interviews

Die Klasse 10e besteht aus 31 Schülerinnen und Schülern. 21 der 31 Familien stammen aus der Region, um die es in diesem Projekt geht. Immerhin gelang es, 14 Zeitzeugen zu finden, die bereitwillig über ein Thema berichteten, das zu einem Teil der deutschen Geschichte gehört, unter den viele bereits 1945 einen "Schlußstrich" ziehen wollten.

Es ging uns bei der Befragung der Zeitzeugen nicht um Schuldzuweisung oder "Abrechnung". Das wurde den Zeitzeugen bei der Bitte um ein Interview deutlich gemacht. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass man anonym bleiben kann, der Name nirgendwo erwähnt wird. Dennoch gab es auch eine Reihe von Absagen. Selbst im Jahr 2002 waren einige Zeitzeugen nicht bereit, über eigene Erlebnisse und Erfahrungen zu berichten. Dazu schreibt eine Schülerin der 10e folgendes:

"Und jetzt, wo wir mit so vielen Erlebnissen und Erinnerungen aus der Vergangenheit konfrontiert wurden sollten wir über diese Menschen, und über diejenigen, die ihr Wissen über dieses leider immer noch heikle Thema nicht preisgeben wollten nicht vorschnell urteilen. Für uns, die "Nachgeborenen", wie Berthold Brecht unsere Generation nennt, ist unverständlich, dass man früher, wie viele behaupten "nichts davon gewusst" habe.

Der Großteil derer, die zur Zeit des Leides und der Grausamkeit noch nicht lebten meint heute, dass er in dieser Zeit Widerstand geleistet hätte. Doch können wir uns überhaupt ein Urteil über Menschen erlauben, die damals vielleicht wirklich nicht wussten, dass direkt vor ihrer Tür Menschen grausam gequält und getötet wurden? Haben wir das Recht, die zu verhöhnen, die aus Angst um das Leben ihrer Familie keinen Widerstand leisteten? Niemand von uns kann sagen, ob er in dieser Situation bereit wäre, etwas gegen dieses Unrecht zu unternehmen und daraufhin vielleicht das Leben zu verlieren oder ob er wie die meisten einfach weggesehen hätte um sich selbst zu schützen

Einige der Menschen, die diese Zeit bewusst erlebt haben, waren bereit ein Interview zu geben, doch dies ist nur eine kleine Zahl. Viele wollen nicht von der Vergangenheit erzählen, wollen nicht an das erinnert werden, was vor über 57 Jahren geschehen ist. Mit Sicherheit weigern sich viele dieser Zeitzeugen, weil sie zu jener Zeit selbst überzeugte Nationalsozialisten waren. Oder sie schämen sich für ihre Untätigkeit. Das alles werden wir nie erfahren, wenn weiterhin geschwiegen wird, aber wir, die "Nachgeborenen" sollten niemanden verurteilen, im Gegenteil, wir sollten mit dem, was wir erfahren haben eine bessere Welt aufbauen, denn es liegt in unserer Hand zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt. Anstatt zu sagen, was wir tun würden, sollten wir einfach handeln und wenn es auch nur in unserem näheren Umfeld ist. Wie oft schauen wir weg, wenn an der Ecke Ausländer von unseren "Landsleuten" verprügelt werden, oder wenn jemand einfach nur Hilfe braucht? Diese Kleinigkeiten tragen dazu bei, dass wieder jemand wie Hitler ein ganzes Volk gegen eine Minderheit aufhetzen kann und wir uns in einer ähnlichen Situation wiederfinden, weil wir es nicht geschafft haben miteinander zu leben statt gegeneinander.

Können wir das nicht ändern?
Jeder muss diese Frage für sich selbst beantworten, aber vielleicht helfen die Zeitzeugenberichte mit diesen ganz persönlichen Dingen, eine Antwort zu finden.
" Julia Lettau

 

Die Interviews

 

Aloys Gehlenborg und Theresia Gehlenborg
Man musste wirklich gewaltig aufpassen, denn sobald man ein Wort zuviel gesagt hat, war man schon weg vom Fenster [...]
 
  Theodor Krone
Ich habe die Nationalsozialisten noch nie verstanden. Wie ein einziger Mensch diese Welt verdrehen kann, schrecklich. Ich fand das grausam. [...]
Abraham Kösters
Die Judenhetze war überall. Man konnte das überhaupt nicht übersehen. [...]
 
  Gerda kl. Siemer
Die Leute kamen ins Konzentrationslager, wenn sie Gegner der Nationalsozialisten waren. Meine Tante hat damals einen blöden Witz gegen Hitler gemacht und kam dafür ein paar Tage ins Gefängnis. [...]
Heinrich Lüttmer
Dabei war ein Offizier, der immer seine Frau mit sich führte. Auf jeden Fall hatte die Dessous dabei. Das war schon witzig. [...]
 
  Brunhilde Metz
Nur zehn Minuten lang hatten sie Zeit ihre Koffer zu packen und alles war voll mit Soldaten. Wenn man sich denen widersetzte, wurden sie gleich erschossen. [...]
Frau N.
Die Frauen waren zu Hause und die durften meistens nichts wissen und wußten auch nichts [...]
 
  Herr K.
Ich bin auch nur widerwillig Soldat geworden. Es war auch gegen meine Einstellung in der Schule die Fahne zu hissen, stramm zu stehen und "Heil Hitler" zu rufen. [...]
 
Zeitzeuge 1
Das damalige Motto hieß :"Wer anderen half, wurde selbst Opfer" [...]
 
  Zeitzeuge 2
Dort meinte er immer zu uns, da dort auch immer viele jüdische Händler waren, dass wir uns nie neben einen Juden stellen dürften, denn wenn dies eine bestimmte Person sehen würde, würde sie uns sofort fotografieren und man würde abgeholt werden. [...]
Zeitzeuge 3
Man durfte nichts gegen das Regime sagen und hatte auch keine eigene Meinungsfreiheit [...]
 
  Zeitzeuge 4
Wir durften in der Schule nicht mehr beten. Für das Kreuz wurde ein Hitlerbild in die Klasse gehangen. [...]
Zeitzeuge 5
Es gab Arbeit und Brot für viele Menschen. Hitler hat sie hypnotisiert. Es gab einen unwahrscheinlichen Aufschwung in der Wirtschaft und Industrie. [...]
 
 
     
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