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Das Arbeitsumerziehungslager

Aus den im Lager Tesch und Marinegemeinschaftslager Neuenkirchen seit 1940 zur Abschreckung in einigen abgetrennten Baracken eingerichteten ,,Arbeitserziehungslager" wurde 1943 im südwestlichen Bereich des heutigen Standortübungsplatz Schwanewede ein ,,eigenständiges", von der GESTAPO Bremen betriebenes, gebildet. Das Aufnehmen einer Karotte oder Kartoffel durch Fremdarbeiter, Häftlinge im KZ während des Marsches zur Baustelle konnte für eine Einweisung ausreichen, ebenso wie ein Witz über Hitler, oder eben - nach dem 20. Juli 1944 - ehemaliger Kommunist, Sozialdemokrat oder IMI (,,Jüdischer Mischling I. Grades") zu sein. Seine Funktion aus Sicht der Nationalsozialisten nannte sich ,,Erziehungslager für Arbeitsuntreue", d.h. für so genannte ,,Arbeitsverweigerer und arbeitsunlustige Elemente, deren Arbeitsverhalten einer Sabotage gleichkommt". Die Verhältnisse im Lager waren bewusst erheblich schlimmer und das Verhalten des Wachpersonals grausamer als in einem KZ, um die ,,erziehende Wirkung" zu erzielen. Ernst Kaltenbrunner, SS-Obergruppenführer und Chef der Sicherheitspolizei und des SD (Nachfolger des 1943 bei einem Attentat getöteten Heydrich) schrieb im Mai 1944 ,,Zunächst darf ich feststellen, dass die Arbeitserziehungslager der Sicherheitspolizei alles andere als ein Erholungsaufenthalt sind. Die Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse für die Insassen sind im allgemeinen härter, als in einem Konzentrationslager. Dies ist notwendig, um den gewünschten Zweck zu erreichen und möglich, da die Unterbringung der einzelnen Schutzhäftlinge im allgemeinen nur wenige Wochen, höchstens wenige Monate, dauert. Die Einweisung war für höchstens 56 Tage zulässig, da sie eine ,,Erzieherische Maßnahme" und keine - gerichtlich verhängte - Strafe darstellen sollte. Sie war somit ein reiner Willkürakt der GESTAPO in Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung.

 

Die Evakuierung

Die ,,Evakuierung" des Lagers wurde auf zwei Wegen betrieben:

Ein Zug voller ,,Muselmänner" (damit waren von Zwangsarbeit und Unterernährung ausgemergelte, nicht mehr gehfähige Gefangene gemeint) fuhr am 6. oder 7. April 1945 zur ,,Sonderbehandlung" (damit war i.d.R. die Ermordung gemeint) Richtung Bergen-Belsen ab, kam dort aber nie an. Nach 7-tägiger Irrfahrt durch Norddeutschland, u.a. wegen der Bombenschäden und des allgemeinen Untergangschaos, wurde der Zug am Freitag, den 13. April 1945 in Brillit, ca. 40 km nordostwärts von Schwanewede, ausgeladen. Von den insgesamt 316 vorübergehend in Brillit bestatteten Toten müssen 169 dem aus Farge stammenden Transport und 147 einem am 14. oder 15. April 1945 aus Neuengamme angekommenen Transport zugerechnet werden. Der überlebende Rest wurde zu Fuß nach Sandbostel getrieben oder in einer Lorenbahn transportiert. Diese Toten wurden 1953 exhumiert und - Ironie des Schicksals -, fast wie von den Nazis geplant, endgültig nach Sandbostel auf die dortige Kriegsgräberanlage umgebettet.

Die gehfähigen Häftlinge wurden vom 11. bis 14. April 1945 im sogenannten ,,Todesmarsch" zu Fuß über Schwanewede, Meyenburg, Hagen, Beverstedt nach Sandbostel getrieben. Ein Teil von ihnen gelangte noch auf die Schiffe in der Neustädter Bucht und wurde am 3. Mai 1945 beim Angriff englischer Jagdbomber getötet.

Während des Marsches nicht mehr gehfähige Häftlinge wurden - in aller Öffentlichkeit - an Ort und Stelle getötet und i.d.R. mit Benzin übergossen und verbrannt.

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