Währungsreform von 1948

Der Krieg hatte die Finanzen zerrüttet. Nach Kriegsende gab es in Deutschland Reichsmark in Hülle und Fülle, aber keine Sachwerte, die man dafür hätte kaufen können.
Kaufen konnte man-neben den "Zuteilungen" an Lebensmitteln und Heizmaterial- nur Unnötiges. Die Wirtschaftshilfe des Marshallplans konnte für die Westzone erst dann wirksam werden, wenn auch das Geld wieder etwas wert war.

An diesem Tisch auf dem Dachboden einer Kaserne bei Kassel bereiten deutsche Finanzleute sieben Wochen lang unter strenger Geheimhaltung den Start des neuen Geldes vor

Am 20. Juni 1948 (in Westberlin am 24.Juni) trat in den Westzonen eine Währungsreform in Kraft. Hier die wichtigsten Bestimmungen:
-Jeder Westdeutsche erhielt zunächst 40,- DM und später noch einmal 20DM (,,Kopfgeld").
-Bargeld wurde im Verhältnis RM:DM = 10:1 umgetauscht, Sparguthaben ca. 15:1.
-Grundbesitz, Produktionsstätten und Aktien behielten ihren Wert und wurden weiter frei gehandelt.
-Die Rationierung vieler Produkte und die Preiskontrollen entfielen.

In den Warenhäusern wurden die wunderlichsten Erzeugnisse der "freien" Wirtschaft feilgeboten. Weder vorher noch nachher hat man in Deutschland ein so kurioses Angebot an Lampenschirmen, bemalten Holztellern, Aschenbechern, Rasierklingenschärfern, Türpuffern und Tausendzündern erlebt. Während die Knopfindustrie blühte, wurden Nähnadeln, Bänder, Nägel, Schrauben zu unerreichbaren Kostbarkeiten.

Nach der D-Mark Einführung füllten sich die Schaufenster in Deutschland über Nacht.

Die Produktionsstatistik in den einzelnen Zonen vermittelte zwar allmählich das Bild einer zunehmenden Gütererzeugung. Aber die Versorgung der Bevölkerung mit den nötigsten Gütern des Massenbedarfs wurde nicht unbedingt besser, sondern schlechter. Da die Preise nach Einführung der freien Marktwirtschaft freigegeben worden waren, stiegen diese entsprechend nach Angebot und Nachfrage. Besonders langlebige Konsumgüter wie Hausrat, Schuhe und Textilien waren Ende 1948 nahezu doppelt so teuer wie 1938.

Preissteigerungen seit der Währungsreform 1948: Für einen halben Liter Bier zahlte man in einem Wirtshaus lange Zeit nur 50 Pfennig. Das war und blieb der Preis in den 50er Jahren. Eine Semmel kostete 5 oder 6 Pfennig und für eine Laugenbrezel zahlte man üblicherweise 10 Pfennig. Für das Zweipfund-Brot zahlte man 72 Pfennig. Eine Tasse Kaffee bei Tchibo kostete 20 Pfennig. Eine normale Tageszeitung wie z.B. die Bild bekam man für 20 Pfennig. Heute kosten die meisten Tageszeitungen das Zehnfache. Wenn man heute einen Preis aus der jüngeren Vergangenheit nimmt, muß man eigentlich den Zeitpunkt dazu nennen, denn die Preise - und damit die Kaufkraft der Mark- veränderten sich fast von Jahr zu Jahr. Die D-Mark von 1970 besaß nicht mehr die gleiche Kaufkraft wie die von 1950.

Am 23. Juni stellte dann auch die sowjetische Besatzungsmacht die Währung um. Dort betrug das Startkapital für jeden Bürger 70 DM (Ost). Die Umstellung von Guthaben wurde ebenfalls im Verhältnis 10 : 1 vorgenommen, allerdings galt für kleine Sparer ein günstigerer Umtauschsatz.

Von nun an gab es DM-Ost und DM-West - bis 1990.