Oswald Andraes Meisterwerk: Das Theaterstück „Laway - Aufstand der Deicher 1765“

 

28. Januar 1983, Oldenburgisches Staatstheater: Alles wartet gespannt darauf, dass sich der Vorhang öffnet. Der Schaffer des an diesem Tage aufgeführten Stückes, Oswald Andrae, wartet ebenso gespannt wie Wolfgang Nitsch und Helmut Debus, die an dem Stück mitgewirkt haben.

Oswald Andrae hat jahrelang alte Bücher gewälzt und  anderweitig recherchiert.  Aus dieser akribischen Arbeit entstand das Theaterstück des heutigen Abends

„Laway - Aufstand der Deicher 1765“. Es handelt von der Situation der Deicher während des 18.Jhd. im Raum Jever. Er beschreibt anhand der überlieferten Daten den Aufstand der Arbeiter im Sophiengroden 1765. Das Stück ist sehr wahrheitsgetreu und teilweise wurden auf der Bühne Originaltexte vorgelesen. Dadurch gewann es an Spannung und der Zuschauer konnte sich sehr gut in die Situation hineinversetzen. Dementsprechend groß war der Applaus am Ende des Stückes. Tolle Musik von Helmut Debus, ein sehr gut aufbereitetes Geschichtsereignis und tolle Schauspieler machten das Theaterstück unvergesslich gut!

 

 

Die Geschichtlichen Hintergründe zum Stück:

Durch den 7-jährigen Krieg (1755-62) waren die Staatskassen des Jeverlandes ziemlich leer. Dennoch mussten Gebiete, die mühsam dem Meer abgerungen worden waren, eingedeicht werden. Langfristig brachte dies auch Geld ein, da Felder und Grundstücke zu höheren preisen verpachtet oder verkauft werden konnten.

Andere Gebiete, wie Aurich, ließen Kriegsgefangene oder zwangsrekrutierte Arbeiter unentgeltlich diese schwere Arbeit verrichten, doch Jever stellte Lohnarbeiter für den Deichbau ein.

Der Anfang der Arbeit stand unter keinem guten Stern: Es war so schlechtes Wetter, dass Arbeiten unmöglich war. Zudem brach ein schon fertiggestellter Deich ein und 2 Arbeiter ertranken. Dadurch hatte die Regierung mehr Kosten als Einnahmen und zahlte als Konsequenz daraus allen Arbeitern gleichviel Lohn, unabhängig von der Schwere der Arbeit. Damit waren die Deicher natürlich nicht einverstanden und bedrohten den Bauaufseher mit dem Messer um mehr Lohn einzufordern. Dieser blieb stur und forderte Soldaten an, die den reibungslosen Arbeitsablauf sichern sollten. Doch diese lagen lieber in der Sonne und betranken sich, anstatt gegen die aufrührerischen Deicher vorzugehen. Außerdem klagten die Soldaten ebenso über zuwenig Lohn und waren eher auf der Seite der Deicher als auf der der Bauaufsicht.

Diese entließ daraufhin 10 der unzufriedensten Soldaten. Die Deicher waren immer noch unzufrieden, besonders diejenigen, die die längsten Wege zwischen Erdpütt (Erdgewinnungsstelle für den Kleiboden) und Deich zurücklegen mussten.

Als der Bauaufseher durch den Regierungsrat Garlichs abgelöst wurde entspannte sich die Lage kurzfristig. Doch die Lebensmittelpreise stiegen plötzlich stark an und erhöhten die Unzufriedenheit erneut. Am 15. Mai brach der Laway aus, die Deicher besetzten den Sitz der Bauaufsicht.

Die Bauaufseher unterschrieben einen Vertrag, der eine Lohnerhöhung um fast das doppelte vorsah. Da die Bauaufseher den Vertrag unter Todesdrohungen unterschrieben haben und die Regierung ihn nicht genehmigt hat, trat er nie in Kraft.

Die Regierung und Deicher fanden weiterhin keine für beide Seiten akzeptable Lösung. Die Regierung versuchte die unzufriedenen Arbeiter auszusortieren, die Deicher drohten der Regierung mit Überfall, diese wiederum mit Soldaten. Da aber beide auf den jeweils anderen angewiesen waren, kam es zu keinem gewalttätigen Attentat von einer der beiden Seiten. Durch die Ausbreitung von Krankheiten unter den Arbeitern sank die Stimmung immer weiter. Mitte Juni wurde von der Regierung ein Lohnausgleich genehmigt, der die Deicher zufrieden stellte. Dennoch gab es immer noch einige Aufrührerische. Diese wollten einen neuen Aufstand anzetteln. Dadurch entstanden 2 Lager: Die unzufriedenen Arbeiter, die streikten, und die durch den neuen Vertrag zufriedengestellten Arbeiter, die nichts mit dem Aufstand zu tun haben wollten. Die Regierung hielt die Arbeiter in Schach, doch gearbeitet wurde durch den Streik fast nicht. Als die Situation kurz vorm Explodieren war, und ein militärischer Schlag der Regierung kaum mehr zu verhindern war, stellten sich die nicht streikenden Deicher unter den Schutz der Regierung und die restlichen Arbeiter konnten zur Ordnung gerufen werden. Ende Juli war der Aufstand beendet.

 

 

Quelle: Uphoff, Rolf : „Die Deicher“, S. 141-149, Isensee Verlag, Oldenburg 1995