" Herr Wolter, bitte melden !" - Ein Zeitzeuge berichtet

 

  

Der Zeitzeuge Bernhard Wolter

 

 

 

Auszüge aus Bernhard Wolters Buch

 

 

 

 

Befragung von Herrn Wolter

 

 

 

 

Herr Wolter berichtet ( Eine eindrucksvolle Videoaufnahme aus dem Jahr 2002 )

 

 

 

 

Zeitzeuge aus Salzgitter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Zeitzeuge Bernhard Wolter

 

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Bernhard Wolter, einer der elf eingeschlossenen Bergleute, lebte mit seiner Frau in einem Nachbarort unseres Schulortes.                                                          Leider ist er am 11. Januar 2003 verstorben. Er war der besonnene junge Mann, der über Mikrofon die Situation der Eingeschlossenen und die Fortschritte der Rettungs-Bohrungen an die Helfer über Tage übermittelt hat.


Der Ruf   "Herr Wolter, bitte melden!"    ging damals um die Welt.  


Inzwischen hat Her Wolter einen unheimlichen Bekanntheitsgrad erlangt. So gab er Interviews im Rundfunk ( z.B. am 11.06.2002 bei Radio Okerwelle in Braunschweig ) und in ca. 38 Fernsehsendungen  ( z.B. Vera am Mittag Frühstücksfernsehen, Fliege, Ex, ZDF-heute Journal ).   

 Er hat einen Roman mit dem Titel " Du liebstes Leben - Das Wunder von Lengede 1963 und was danach kam " ( Herbig-Verlag, München  1988) über die damaligen Ereignisse geschrieben. Das Buch berührt beim Lesen sehr. Darin hat er seine Eindrücke vom Unglück verarbeitet.

Hier einige Zitate:


 

Auszüge aus Bernhard Wolters Buch

 

 

Wir waren da vorn noch vier Mann. Wir haben uns dann auch  durch das Wasser nach hinten zu dem Erzhuckel begeben und den Wolfgang mit dem gebrochenen Bein haben wir auch ins Wasser geschmissen. Wie sollte man das anders machen? (Seite 29)

 

Zum Überlegen war für uns keine Zeit. Man wusste: Entweder du ersäufst oder gehst in den Alten Mann und wirst erschlagen. (Seite 31)

 

Aber ich habe fast die ganze Nacht durch nichts begriffen. Ich habe immer angenommen, ich bin zu Hause im Bett. Und immer weiter habe ich gefroren und auf meine Frau geschimpft, weil sie mir das Zudeck weggenommen hatte. (Seite 34)

 

Es ist furchtbar zu schildern, wie sie aussahen. Er sah fürchterlich aus, und wir haben erst durch die Sachen, die er anhatte und durch die Lampennummer festgestellt, wer er war. (Seite 35)

 

Das ist eigenartig. Der eine ist tot und der andere war quietschfidel. Die haben beide Rücken an Rücken gelegen und der eine hat nun kein Wort mehr von sich gegeben. (Seite 37)

 

 

Der Bergmann ist ein brutaler Mensch in Hinsicht Überlebenschancen. ... Schön und gut, dem kannst du nicht mehr helfen. Schluss. Vorbei. (Seite 39)

 

... der Arnold, hatte sich in der Nacht im Unterbewusstsein oder im Traum vollkommen ausgezogen und wollte wahrscheinlich ins Bett gehen. Jetzt lief er also zu seinem Unglück nur in kurzen Turnhosen und Unterhemd da rum. ... "... da komm, nimm meine Jacke. Ich habe noch ein dickes Hemd an und meinen dicken Pullover. ..." (Seite 41)

 

Dunkel. Was tun? Die Streichhölzer waren alle nass. Keines brannte mehr. (Seite 47)

 

Es ist eine andere Dunkelheit, als wenn es draußen, normal im Freien, dunkel ist. Man muss sich eine blinden Menschen vorstellen, ... (Seite 48)

 

So haben wir da unten ganz gefasst gelebt und haben darauf gewartet, dass sie uns rausholen würden. Immer mit diesem Geräusch im Ohr: "Au, die pumpen noch dolle!" (Seite 59)

 

Und richtig austreten brauchte man überhaupt nicht. Man musste zwar diese kleinen Bedürfnisse erledigen, aber das war auch nicht so sehr häufig, weil wir ja nichts weiter im Magen hatten. Die Feuchtigkeit, das Wasser, das wir getrunken haben, wurde vom Körper vollkommen verbraucht. (Seite 80)

                                           

Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich selbst auch aufgegeben. Ich hatte keinen Mumm mehr. (Seite 103)

 

So langsam hatte man sich darauf eingestellt, mit dem Leben abzuschließen. (Seite 105)

 

Der Grundgedanke war für mich meine Tochter. Ich habe die ganze letzte Zeit im Stillen darüber geflucht, dass sie niemals "Vati" sagen könnte, und dass ich das Leben, das Größerwerden niemals weiter miterleben konnte. Das war für mich so bitter, so grausam, dass es später schon fast so ein Zwang für den Überlebenswillen wurde.

Unsere Füße ... brannten wie Feuer. Ich selbst konnte meine Stiefel überhaupt nicht mehr ausziehen. (Seite 139)

 

 

 

Befragung von Herrn Wolter

 

 

 Herrn Wolters Arbeit im Bergbau

 

Wie alt waren sie, als sie im Bergbau angefangen haben?

19 Jahre, um eine Familie ernähren zu können, reichte sein voriges Gehalt nicht aus

 

Wie alt waren sie zur Zeit des Unglücks?

28 Jahre

 

Wie lange dauerte eine Schicht?

8 Stunden (z. B. Nachtschicht von 2 Uhr bis 10 Uhr, zuzüglich den Weg zum Ein- und Ausfahren)

 

Wie viele Arbeitsstunden hatten sie in der Woche?

48 Stunden (bei Nachtschicht: von Montag bis Sonntagmorgen)

 

 

 Die Zeit im Unglücksstollen

 

Wie groß war der Unglücksstollen?

Der sogenannte "Alte Mann" war 9 Meter breit. Der "Alte Mann" bricht nach dem Abbau des Erzes zusammen, wenn die Stützhölzer herausgenommen werden.      Danach wird im nächsten Feld angefangen.

 

Wie lange waren sie dort unten eingeschlossen?

14 Tage, 1 Stunde und 12 Minuten

 

Wie viele Männer waren sie und wie viele davon haben überlebt?

11 von 14 überlebten

 

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Welche Temperatur herrschte dort unten?

Es waren 7°C. Uns Bergleuten war immer kalt, da unsere Arbeitskleidung nass war. Wir haben versucht uns gegenseitig zu wärmen. Aus der Not heraus haben wir   später den Toten die Jacken ausgezogen.

 

Wovon haben sie sich ernährt?

Von dem dreckigen Wasser auf dem Boden des Stollens

 

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 Womit haben sie sich beschäftigt?

 Größtenteils geschlafen oder sich unterhalten

 

 Was passierte mit den Toten?

Sie mussten im Stollen zurückgelassen werden. Ich saß zwischen zwei Toten, die erschlagen worden waren. Da ich in der Enge nirgends hin konnte, habe ich drei Nächte auf den Toten geschlafen. Heute mag das schlimm klingen, aber in der Situation damals war es gut, weil ich weich gelegen habe.

 

 

Die Verarbeitung des Unglücks

 

Wie ging es ihren Familienmitgliedern damals?

Die Trauerfeier war für Montag geplant, einen Tag nach der Rettung. Meine Familie war auf die Trauerfeier vorbereitet. Als ich aus dem Krankenhaus kam, las ich meine eigene Trauerkarte und sah meine Kränze und Blumen. Die Karten warf ich alle in den Ofen. Nachbarn haben dann schnell die Blumen und Kränze verschwinden lassen. Meine Tochter war zur Zeit des Unglücks erst ca. 5 Monate alt.

 

Denken sie heute noch oft an das Unglück?

Ich brauchte keine psychologische Betreuung, das Reden über die Ereignisse brachte mir Befreiung. Allerdings brauchte ich zwei Jahre, ehe ich überhaupt davon sprechen konnte. Da ich mit meiner Frau nicht über die Ereignisse sprechen konnte, habe ich mit meinem Freund erstmalig darüber geredet. Bei einem Glas Whisky hat der Freund immer weiter gebohrt.

Haben sie heute noch Kontakt zu ehemaligen Kumpeln?

Nur wenig, zum Beispiel hat er mit Adolf Herbst  gesprochen.

 

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Wie finden sie es, dass unser Kurs dieses Thema bearbeitet und im Internet präsentieren will?

Das finde ich gut. Ich komme gern in die Realschule um Jugendliche darüber zu  informieren. Ich war auch schon vor einigen Jahren in einer Klasse eurer Schule.

Herr Wolter hat beim  Erzählen gezittert .

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Herr Wolter berichtet


Leider ist die Videoaufnahme durch eine sehr starke Komprimierung etwas unscharf.
Trotzdem lohnt sich das Ansehen, da es sich um eine der letzten authentischen Aufzeichnungen von und mit Herrn Wolter handelt
Außerdem ist der Bericht sehr eindrucksvoll

 

Wiedergabe

 

 

 

Zeitzeuge aus Salzgitter

Während unserer Arbeit zum Thema "Das Wunder von Lengede" erfuhren wir, dass der Konrektor unserer Schule, Herr Heidmann, als Jugendlicher am Unglücksort war.
Dazu konnten wir ihn befragen:

Allgemeine Fragen

1. Wie alt waren Sie zur Zeit des Grubenunglücks?
- 16 Jahre

2. Wo haben Sie damals gewohnt?
- In Salzgitter - Lebenstedt

3. Konnte man die Rettungsbohrer von ihrem Wohnort aus sehen?
- Nein, da die Entfernung zwischen Lengede und meinem Wohnort zu groß war.

4. Hatten Sie Verwandte oder Bekannte, die
a) im Lengeder Bergbau arbeiteten?
b) verschüttet wurden?
c) als Rettungshelfer im Einsatz waren?
- Nein

5. Wie haben Sie vom Unglück und den Rettungsarbeiten erfahren?
- Durch die Nachrichten im Rundfunk

Fragen zum Besuch der Unglücksstelle

6. Wie sind Sie zur Unglücksstelle gefahren?
- Mit dem Fahrrad

7. a) In welchem Bereich der Unglücksstelle waren Sie?
- Im südlichen Bereich
b) An welchem Tag/ zu welcher Zeit waren Sie dort?
- Daran kann ich mich nicht mehr erinnern

8. Wie viele Menschen waren an der Unglücksstelle?
- Ungefähr 100

9. Was konnten Sie am Unglücksort sehen?
- Das Bohrgerüst, den Bohrturm und den Übertragungswagen des Rundfunks

10. Was haben Sie dabei empfunden?
- Hoffnung auf Rettung

11. Wurde in ihrer Familie über das Grubenunglück/ die Rettung oder Ihren Besuch dort gesprochen?
- Ja, da der Erzbergbau im Raum Salzgitter und Peine damals eine große Bedeutung hatte.

 

 

 

 

 

 

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