Der Braunkohlenbergbau in Wallensen


Das einzige Braunkohlenvorkommen in Niedersachsen neben dem Helmstedter Revier, lag im Kreises Hameln-Pyrmont. In der Gemeinde Wallensen und unter dem Staatsforst Weenzen.

Im Weenzer Bruch waren 15 bis 20 m mächtige Quarzsande von sandigen und dunklen, zähen Tonen überlagert. Auf diesen lag ein Braunkohlenflöz, dessen Hangendes von diluvialen und alluvialen Lehmen und Kiesen gebildet wurde. Die meist nicht sehr große Mächtigkeit des Deckgebirges ermöglichte einen Abbau der Kohle im Tagebau. Das aufgeschlossene Braunkohleflöz hatte eine Gesamtmächtigkeit von 40 bis 50 m, doch da die Kohlenlager etwas ausgerichtet waren, gibt diese Angabe nicht ganz die wahre Mächtigkeit an.

An anderer Stelle wird die Mächtigkeit mit 30 bis 60 m angegeben. In größerer Tiefe wie auch außerhalb des nach dem 2. Weltkrieg ausgebeuteten Grubenfeldes fanden sich in geringen Mächtigkeiten noch Kohlenflöze, die aber für einen wirtschaftlichen Abbau nicht mehr in Frage kamen; die maximale Teufe betrug im Tagebau Nord etwa 75 m. Einige Tonbänke bis zu 10 m Mächtigkeit waren im Braunkohleflöz eingeschlossen.

Die Kohle war durchweg erdig ausgebildet; sie zeichnete sich durch einen geringen Gehalt an Schwefelkies aus, besaß einen Wassergehalt von durchschnittlich 61 % und war gut brikettierfähig.

Erwähnt wurde das Braunkohlenlager im Weenzer Bruch zuerst im Jahre 1787; der planmäßige Abbau begann aber erst 1843 und war wohl auf den überhandnehmenden Holzmangel der Gegend zurückzuführen. Im Jahre 1846 wurden 31 Arbeiter beschäftigt; der Betrieb unterstand der Leitung des Steinkohlenbergwerkes Osterwald.

Verwendet wurde die Kohle vornehmlich als Hausbrand und als Brennkohle für die Weenzer Gipsbrennerei. Der Absatz der Kohle war aber unbefriedigend, da für die anfallende Feinkohle keine Verwendungsmöglichkeit bestand. So wurden z.B. im Jahre 1896 ca. 47 % der geförderten Kohle zu Asche verbrannt. Wegen dieser Unwirtschaftlichkeit erfolgte schon im Jahre 1861 die Einstellung des Betriebes, zumal in den Jahren 1843 bis 1861 ein Zuschuß von 13.000 Reichstalern notwendig war, um das Werk aufrecht zu erhalten. Die Duinger Töpferei, die Weenzer Gipsbrennerei und die Stadt Elze setzten sich jedoch für eine Wiederinbetriebnahme ein.

Nach dem Übergang Hannovers an Preußen ließ im Jahre 1867 das Oberbergamt Clausthal auf der Grube v.d. Heydt bei Halle mit der Wallenser Kohle Preßversuche machen. Das Ergebnis war günstig, so daß in den 70er Jahren eine Presserei in Betrieb genommen wurde. Doch der Absatz entwickelte sich infolge der Konkurrenz der Sollinger Braunkohle und der westfälischen Steinkohle nur schlecht. Im Jahre 1899 wurde das Vorkommen neu aufgeschlossen und der Bau einer Brikettfabrik begonnen.

Gleichzeitig wurde ein Anschlußgleis vom Bahnhof Thüste zur Brikettfabrik und eine 1.25 km lange Seilbahn von der Brikettfabrik zur Grube erbaut. Der fiskalische Betrieb, der die im Regierungsbezirk Hildesheim anstehende Kohle abgebaut hatte, wurde stillgelegt; eine Privatfirma nutzte jetzt die Lager unter den benachbarten bäuerlichen Ländereien im Regierungsbezirk Hannover. Die Gerechtsame dieser Bergbaugesellschaft Wallensen umfaßten 900 Morgen. Im Jahre 1901 gingen die Rechte dieser Gesellschaft an die Gewerkschaft Humboldt über, und vier Jahre später erfolgte auch die Übernahme der fiskalischen Gruben. Begonnen wurde 1899 im Tiefbau, weil das Grundwasser der darüber stehenden Wiesen nicht anders zu bewältigen war. 

Erst später, als sich die kostspielige Arbeit des Abraumes dank des Einsatzes neuer Maschinen und Verfahren vereinfacht und verbilligt hatte, ging man zum Tagebau über. Verwendet wurden zunächst Dampfbagger, später zwei elektrisch angetriebene Bagger und ein Dieselbagger. Die Dampfbagger wurden nach dem 2. Weltkrieg verschrottet. Aus einer eigenen Kraftzentrale erhielten die Elektrobagger ihren Strom. Ihr Einsatz hatte eine steigende Gewinnung von Rohbraunkohle und deren Verarbeitung zu Briketts zur Folge. Sie arbeiteten in drei Schichten und förderten in den letzten Jahren 1400 t Rohbraunkohle täglich sowie die gleiche Menge Abraum.

Die Gewerkschaft Humboldt gehörte zum Mitteldeutschen Braunkohlen-Syndikat in Leipzig, das auch den Absatz regelte. Bei uneingeschränktem Betrieb wurden jährlich ca. 300.000 t Braunkohle gefördert und 75.000 t Briketts erzeugt. Wegen des geringen Schwefel- (nur 0,54 %) und Aschegehaltes eigneten sich diese Briketts sehr gut für die Glasfabrikation. Als Hausbrand wurden sie vor allem nach Hannover, Mecklenburg und Schleswig-Holstein geliefert. Als Rohbraunkohle wurden nur geringe Mengen abgegeben. Etwa 35 % der Kohle wurde für die eigene Dampferzeugung benötigt. Bemerkenswert ist, daß selbst bei der Zillertalbahn einmal ein aufgeschemelter Güterwagen mit Kohle aus Thüste entdeckt wurde!

Das Jahr 1945 brachte dann einen kriegsbedingten Tiefstand der Leistungen. Mit großer Tatkraft und durch umfangreiche betriebliche Verbesserungen gelang es aber, die Förderung weiter zu steigern. So ging z.B. der Abbau auf sechs fächerförmig angelegten Stufen vor sich, der Abraum wurde durch Bagger abgetragen und nach einem neuartigen Spülverfahren an günstiger Stelle in die ausgekohlte Grube gestürzt. Der Abbau wurde zunächst von Norden nach Südosten, dann nach Südwesten vorangetrieben, so daß bald nach Ende des 2. Weltkrieges die beiden Landstraßen Weenzen-Fölziehausen aufgegeben bzw. verlegt werden mußten.




Das Ende des Braunkohlenbergbaue


Bis Mitte der 60er Jahre waren die in der Anhöhe östlich der Saale anstehenden Vorkommen weitgehend erschöpft, so dass nun Felder westlich des Flussufers erschlossen werden mussten. Es wurden bereits für 350.000 DM landwirtschaftlich genutzte Flächen erworben und das Saalebett auf 1200 m Länge verlegt, wobei diese nun das ausgekohlte Südfeld durchquerte. Die Saale verlief unter der Betonbrücke des Übergabebahnhofes und hart am östlichen Rand des Betriebsgeländes, um 300 m nördlich desselben wieder das alte Bett zu erreichen.

Mit den Kohlevorräten des Westfeldes hätte die Brikettfabrik noch für die Dauer von 15 Jahren versorgt werden können. Die Betriebseinstellung traf die Grube dann mitten in dieser Phase kräftiger Investitionen; sie wurde ein Opfer der Bergbaukrise. Die Förderung in der Grube endete am 23.06.66, einen Tag später wurde die Brikettfabrik stillgelegt.

Am 25.06.66 lag der Betrieb gänzlich still. In der Brikettfabrik liefen die Kessel noch für die Stromerzeugung. Die 8 Brikettpressen hatte man gereinigt und geölt - sie sollten vorerst noch stehen bleiben. Das Brikettlager war übervoll.

Auf dem Übergabebahnhof standen mehrere mit Kohle beladene Züge, die wohl wieder in die Grube zurücklaufen sollten. Zwei Schaufel- und ein Löffelbagger standen noch in der Westgrube.

Über den künftigen Verbleib der noch vorhandenen Dampflokomotiven gab es zu diesem Zeitpunkt vielerlei Gerüchte. So sollte Lok 6 angeblich nach Amerika verkauft worden sein. Die aufgearbeitete Lok 7 sollte in Thüste aufgestellt werden, während die im Schuppen stehenden Lokomotiven 10 bis 13 noch auf einen Käufer warteten. Tatsächlich blieben nur die Loks 5 und 8 erhalten. Nach anderer Quelle soll auch die Lok 9 verkauft worden sein.

An anderer Stelle wird die Mächtigkeit mit 30 bis 60 m angegeben. In größerer Tiefe wie auch außerhalb des nach dem 2. Weltkrieg ausgebeuteten Grubenfeldes fanden sich in geringen Mächtigkeiten noch Kohlenflöze, die aber für einen wirtschaftlichen Abbau nicht mehr in Frage kamen; die maximale Teufe betrug im Tagebau Nord etwa 75 m. Einige Tonbänke bis zu 10 m Mächtigkeit waren im Braunkohleflöz eingeschlossen.

Im Frühjahr 1967 waren die von einem Hildesheimer Unternehmer getätigten Abbrucharbeiten in vollem Gange. Das gesamte Gleisnetz war bis auf geringe Reste in der Brikettfabrik entfernt worden. Dort standen alle Lokomotiven und Kippwagen - zum Teil auf dem Pflaster des Werkhofes - abgestellt.

Die Gebäude der Brikettfabrik erwarb das OKAL-Werk in Lauenstein. Dort, wo früher die Westgrube war, befindet sich heute der Humboldtsee.