Flegelbeer is (eegentlich) Mannslüsaak
1880 wurde es erstmals gefeiert

123. Flegelbeerfest in Sillnstäe

Geschmückter Dreschflegel

Baas Cordsen kloppt an't Beerfatt "Drinken laaten!"

124. Fest in Waddewarden 2004
Bernhard Eden (rechts) heftet dem Chronisten Erwin Ufken für 30-jährige Treue einen Mini-Dreschflegel ans Hemd.

13. März 2004 in Waddewarden
Wieland Rosenboom erfreut Wirtin Bettina mit einem "Rükelbusch" zum Valentinstag.
Ursprung:
Zum Ende der anstrengenden und sehr staubigen Dreschzeit gab es ein Fest auf dem Hof des Bauern mit Knechten und Mägden.
Es wurde gemeinsam gesungen, gegessen und getrunken.
Mit der Technisierungswelle und Einführung der Dreschmaschinen - drohte das Ende des Flegelbierfestes.
Die Oldorfer und Wüppelser mochten auf den Brauch aber nicht verzichten und richteten 1880 das erste Flegelbierfest als Dorffest aus.
Immer mehr Sangesbrüder aus den benachbarten Orten schlossen sich an, um gemeinsam zu feiern.

Neben Hohenkirchen, Horumersiel, Tettens und Waddewarden, stieß 1908 auch Carolinensiel hinzu.
Immer am 2. Sonnabend im Januar gibt es eine Vorbesprechung, damit am 2. Sonnabend im März die Traditionsveranstaltung stattfinden kann.
Sie fanden in der Gastwirtschaft Oldorferbaum statt.
Bei Anna Berger gab es traditionell Updröögt Bohnen und dabei wurden die Programmpunkte und Lieder abgestimmt.

Brauchtum im Umbruch:
1952 wurde Sillenstede aufgenommen und 2002 kam der Shantychor Hooksiel hinzu.
Die Ausrichtung des Festes übernahmen die Vereine reihum. Amtssprache ist Plattdeutsch und zugelassen zum Fest sind bis heute nur Männer!
2004 durfte Britta Frerichs 2 Lieder auf ihrem Akkordeon begleiten und musste dann wieder gehen.

Motto:
"Wi kamt tosamen un wi verstaht uns"
Wir kommen zusammen und verstehen einander - Lässt uns all die Mühen der vergangenen Zeit und die Auseinandersetzungen vergessen und gemeinsam bei diesem Fest in die Zukunft schauen.

Der Versammlungsleiter (Baas) lässt das vergangene Jahr mit deftigen Worten Revue passieren, nimmt die eine oder andere Situation oder Person mit einem Schmunzeln auf Korn und versöhnt alle mit musikalischen Einlagen und der Aufforderung "Drinken laaten!" Lasst die Gäste trinken!

Über 200 Teilnehmer in Waddewarden
sechs Männerchöre:
MGV Eintracht Waddewarden
MGV Eintracht Sillenstede
Liedertafel von 1844 Hohenkirchen
Quartettverein Carolinensiel
Shanty-Chor Horumersiel
Shanty-Chor Hooksiel

Flegelbeer-Obleute: Bernhard Eden und Tammo Ortgies
Gastgeber 2004: MGV Eintracht Waddewarden
Flegelbeerbaas: Reiner Eiben
Lieder:
"Grüß Gott mit hellem Klang"
"Dat Wannerleed"
"Seehundslied"
"Hinterm blauen Meer"
"Grüße von der Water kant"
"Schnieder Wipp"
"Zwei Mädchen mit schwarzen Haaren"

Themen:
Pleiten und Pannen: Erlebnisbad Carolinensiel wird nicht gebaut. Orgelrestaurierung fällt aus wegen des insolventen Orgelbaubetriebes Führer. Hohenkirchen stirbt aus: Geschäftesterben, Bundeswehrabzug - "selbst die Kirche macht dicht". (Kath. Kirche) soll abgerissen werden. Bürgermeister sollte ein Buch schreiben. Titel: Tatütata. "Denn wenn er in der Zeitung ist, dann meist bei der Feuerwehr." Den Horumersielern hielt Eiben die misslungene Flegel-Plakette vor, die erste in 124 Jahren. Eine neue sollen sie beibringen. "Dann redet niemand mehr davon - aber es steht in der Chronik." Und die Hooksieler seien früher einmal Seeräuber gewesen, "einige sollen heute immer noch leben". Nur die Sillensteder verschonte Reiner Eiben, weil Fokko Cordsen ihm bei der Vorbereitung auf die Flegelbaas-Pflichten so gut unterstützt hatte. Krumm nahm die Spöttelei ohnehin niemand.
Fotos aus dem Jeverschen Wochenblatt 10.3.03/15.3.04
Texte bearbeitet von Thomas WPK 2004


Das 126. Flegelbierfest fand am 11. März 2006 im Landhaus Hohenkirchen statt.



Auf der Bühne wurden alte landwirtschaftliche Gerätschaften vor einem neu geschaffenen Bühnenbild ausgestellt.

Einige Tage nach der Veranstaltung erklärte Herr Heissenbüttel den Schülerinnen und Schülern der Hohenkirchener Schulen den Gebrauch und die Handhabung.

Aus dem Jeverschen Wochenblatt vom 13.3.2006 - Erwin Ufken:

"Kahler Asten" ist in Hohenkirchen zu finden
Einmal mehr hatten die Gäste viel Spaß am Flegelbeer. Das ist natürlich kein Getränk für besonders ungezogene Zeitgenossen, sondern eine Art Brauchtumsveranstaltung, bei der neben dem Chorgesang "Freesenart" und "Moderspraak" dazugehören. Die Männer sangen wieder vor der Öffentlichkeit, die beim Flegelbeer nur aus Männern besteht, weil es da mitunter recht derb zugeht. Wenn das Wort "Beer" im Friesischen auch so viel wie Fest bedeutet, so mangelte es an diesem Abend keineswegs am Gesternsaftkonsum, gaben doch die beiden Flegelbaase Karl Heissenbüttel und Jonny Onken immer wieder das Kommando "Drinken laaten".

Alles wurde auf plattdeutsch angesagt, und die beiden Flegelbaase waren als niederdeutsche Unterhaltungsnummer "auf der Höhe". Jeder "kreeg sien Fett", als sie Begebenheiten aus den einzelnen Orten der teilnehmenden Vereine vortrugen. So sei Hohenkirchen im Umbruch, endlich werde etwas getan. Angefangen sei man auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände, wo zwei Gebäude einem Fußweg und einem kleinen See hätten weichen müssen. Auch seien die Bäume und Sträucher entfernt worden, um eine Gracht zu bauen. Nun werde das Grundstück "Kahler Asten" genannt.

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