Rasenmeer

In einer großen Sturmflut waren die Deiche des Jeverlandes an vielen Orten durchbrochen, am breitesten und tiefsten der Nähe des Kirchdorfes Wiarden, das damals noch näher an der See lag.
Das Meer war schon wieder in seinen alten Stand zurückgewichen, aber täglich rollte die Flut wieder über das Land und zerstörte die schwachen Werke, die von den Bewohnern aufgerichtet wurden.

Die einzelnen Spaten voll Erde, die eine Menschenhand aufwarf, konnten nicht widerstehen; das sah man bald ein.

Wenn nicht ganze Wagen voll Erde auf einmal in die Lücke gebracht werden konnten, durfte man nicht hoffen, den Deich wieder herzustellen.

Aber niemand wagte es, mit Roß und Wagen in die brausende Flut hinein zu fahren, die unergründlich schien.
Da versprach man demjenigen, der zuerst mit einer Ladung Erde durch das Wasser fahren werde, alles Land in der Nähe des Deichbruchs.

Lange ging niemand auf das lockende Gebot ein bis endlich ein junger Bursche auf einen bereitstehenden Wagen sprang und kühn die Pferde in die Flut hineintrieb. Voll Erstaunen rief das Volk aus: "De rasenden Mähren!"
Alle meinten, der Bursche und die Tiere wären verloren; aber mutig trabte das Gespann vorwärts und erreichte glücklich das andere Ufer. Nun war der erste Schritt getan. Andere folgten dem kühnen Vorgänger, und bald erhob sich der Deich wieder in seiner alten Höhe.


Das Land aber, das man dem jungen Burschen versprochen hatte, heißt noch bis auf diesen Tag Rasenmeer.
(Mitteilung aus Oldenburg in Oldenburger Heimathefte.)

Südlich von Wiarden liegt Rasenmeer


Allein auf weiter Flur! Links ist Rasenmeer, rechts ist Wiarden zu sehen.
Im Frühjahr kann man die erhöhte Warf besser erkennen.

Rechts Rasenmeer, links die Kirche zu Wiarden
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