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Vielleicht noch wichtiger als die pädagogische Arbeit im Heim waren die Erholung der Kinder und die Gesundheitspflege. Viele Kinder waren fehl- oder unterernährt. Häufig litten sie infolge von Polizeiüberwachung und Hausdurchsuchungen auch unter psychischen Störungen. Also bedurften die Kinder großer Aufmerksamkeit der Betreuer, damit sie keinen Rückfall bekamen. Im Tagesplan wird deutlich, welch hoher Stellenwert den Phasen der Erholung und Körperpflege eingeräumt wurde. Das Waschen, die Zahnpflege und das Baden, wie sie es im Heim erlebten, hatten die Kinder in solch einer Intensität bislang nicht gekannt. Jedes Kind erhielt ein bis zwei Bäder in der Wanne pro Woche. Nachdem die Kinder im Barkenhoff angekommen waren, wurden sie zunächst einmal gebadet. Teilweise war auch eine Entlausung notwendig. Sie blieben ca. acht Wochen im Barkenhoff. Innerhalb dieses Zeitraums war eine Gewichtszunahme von 3 - 4 Kilogramm nicht selten. Die medizinischen Untersuchungen führte die in Worpswede ansässige Ärztin Dr. Auguste Hirsch-Lotz durch. Die Kinder erhielten eine solide Ernährung, dazu gehörte ein Liter Milch pro Kind und Tag. Die Kinder aus den Arbeiterfamilien waren es nicht gewohnt, dass Butter auf´s Brot kam, sie kannten allenfalls Margarine. Es wurde veranschlagt, dass ein Kind einen Tagessatz von 1,30 – 1,50 Mark für Verpflegung benötigt. Pro Monat wurden unter anderem 350 Pfund Brot, 1.003 Liter Milch, 996 Eier, 191 Pfund Fleisch, 110 Pfund Butter und vieles mehr gekauft. Als Mahlzeit gab es zum Beispiel Kotelett mit Rahmsoße, Kartoffeln, Salat und als Nachtisch Erdbeeren. Jeden Sonntag gab es Schlagsahne auf den Barkenhoff. Außenausstattung Anfang
Der Barkenhoff liegt auf einem wunderschönen Grundstück in Worpswede bei Bremen. Auf dem Gelände befand sich ein großer, gut gepflegter Garten mit Blumeneinfassung und Gemüsebeeten. Weiterhin gehörten noch ausgedehnte Wiesen, große Obstbaumbestände, der Teich mit festem Grund und ein Stück Wald zum Anwesen. Ein paar Schuppen für Brennmaterial, landwirtschaftliche Maschinen usw. befanden sich auch auf dem Gelände. Für Großstadtkinder war das Leben im Freien besonders reizvoll und abwechslungsreich. Ein Handwerker, der bei der Renovierung geholfen hatte, beobachtete die wieder erwachende Lebensfreude in den Augen der Kinder, wenn sie im Garten spielten und dort oder in der Landwirtschaft helfen durften. Das Anwesen war insgesamt 14 Morgen groß.
Innenausstattung Anfang
Im Erdgeschoss befanden sich der Speisesaal, die Küche, die Speisekammer, der Gemüsekeller und die Plättstube. Außerdem lagen dort noch drei Kinderschlafzimmer und je ein Zimmer für den Erzieher, den Landwirt, eine Pflegerin und die Helferin. Weiterhin waren dort die Kinderbücherei untergebracht sowie ein moderner Wasch- und Baderaum mit sechs Brausen, Fußbecken, vier Waschbecken, zwei Zahnputzbecken und einer Wanne. Im 1. Stock gab es vier Kinderschlafzimmer, ein Krankenzimmer und je ein Zimmer für die Heimleiterin und eine Pflegerin. Außerdem befanden sich im 1. Stock noch ein Waschraum und ein großer Aufenthaltsraum mit Bühne für die Kinder. Schließlich gibt es im Barkenhoff noch ein Dachgeschoss. Dort waren ein kleiner Aufenthaltsraum, ein Isolierzimmer für den Fall einer ansteckenden Krankheit eines Kindes, ein Schlafzimmer für den Lehrer sowie der Trockenboden untergebracht. Der Klassenraum befand sich im eigens dafür hergerichteten achteckigen Anbau des Hauses. Dort erteilte der Lehrer Ernst Behm Unterricht. Es gab eine Handdruckerei, die auch im Altbau gelegen war. Diese wurde für die Präsentation von Texten genutzt. In der Handdruckerei wurde eine eigene Heimzeitung gedruckt und es wurden Plakate gestaltet. Die Schlafzimmer für die Kinder waren mit 3 - 5 Betten ausgestattet. Diese waren nicht übereinander gestapelt. Jedes Zimmer war mit Linoleum ausgelegt. Außerdem hatte jedes Kind seinen eigenen Schrank, den es abschließen konnte. Der Barkenhoff bot somit eine Wohnumgebung mit viel Komfort und vielen Möglichkeiten, die die Kinder von ihren Elternhäusern nicht gewohnt waren. Im Kinderheim gab es einen – damals noch seltenen - Plattenspieler mit fünf Schallplatten, die Wilhelm Pieck und Jelena Stassova als Vertreter des Mitteleuropäischen Büros der Internationalen Roten Hilfe bei einem Besuch auf dem Barkenhoff gestiftet hatten. In einem Nebengebäude befanden sich die Waschküche, Kuh- und Schweinestall sowie die Tischlerei.
Renovierung Anfang
In der ersten Jahreshälfte 1926 wurde der Barkenhoff völlig neu gestaltet. Die politische Bremer Arbeiterschaft hatte Anfang 1926 zur Mithilfe bei der Renovierung und zum weiteren Ausbau des Arbeiterkinderheimes aufgerufen. Alleine im Februar wurden mehr als 700 Arbeitsstunden geleistet um das Kinderheim auszubauen und zu verschönern. Die Trägergesellschaft „Quieta“ stellte dem Barkenhoff 500 Mark als Zuschuss für die Renovierung zur Verfügung. Die „Rote Hilfe“ spendete 334 Mark. Die Arbeiten, die während der Renovierung anfielen, wurden weitgehend kostenlos verrichtet. Der Landrat aus Osterholz, Dr. Ferdinand Becker, führte regelmäßige Inspektionen im Kinderheim durch und würdigte bei aller politischen Gegnerschaft den guten Zustand des Heimes: „Es waren einige der Schlafräume bereits neu gestrichen, in anderen und auf dem Korridor waren Maler tätig. (...) Verwahrlost kann man es nicht nennen. Vielmehr hat man den Eindruck, dass die unterhaltende Organisation, die Rote Hilfe, bemüht ist, das Anwesen nach Möglichkeit in gutem Zustand zu erhalten und es weiter zu verbessern. So ist in der letzten Zeit eine eigentlich reichlich üppige Badeeinrichtung geschaffen worden (...) Überall liegt Zentralheizung. Es handelt sich bei der Neueinlage meiner Schätzung nach um einen Wert von 4 - 5000 Mark. Dass die neue Anlage allen berechtigten Anforderungen der Gesundheitspflege nicht nur genügt, sondern vielleicht für Proletarierkinder reichlich üppig ist, muss anerkannt werden.“ Die Kinder stellten ihre Freude über die Fertigstellung des Badezimmers in einem Sprechchor dar:
Kuck mal da! Und da! Und da! Dufte - Sauber - Knorke - Fein! Ist das neue Badezimmer, Und ein jeder, Groß und klein, Wird hier fröhlich planschen immer. Kuck mal bloß die vielen Brausen, Die hier werden niedersausen! - Na da will ich euch empfehlen, Gretchen soll die Brausen zählen: Gr.: Eins! Zwei! Drei! - Chor: Lustig ist die Baderei! Gr.: Vier! Fünf! Sechs! Chor: Das war richtig kleine Hex! - Dreht an diesem Hahn man bloß, Geht schon die Geschichte los, Erst da ist es nur Getröpfle, Was da einem fällt aufs Köpfle, Aber nach ‘ner Weile dann Geht ein warmer Regen an. Oh, wie schön! Oh, wie warm Rieselts über Kopf und Arm. - Was ist das denn? Halt! Halt! Halt! Oh, wie wird das Wasser kalt! Prr! Und so endet nun mit Prusten Dann für heute auch das Duschen.“
Quellen: Bresler (1991), Q 19, 25 und 54.
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