Die Rolle Heinrich Vogelers

 

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Fresken

Lebenslauf

 

Heinrich Vogeler

 

 

Auf dem Selbstportrait von 1900 ist Heinrich Vogeler als junger Mann mit Zylinder dargestellt.

 

Er hatte sich als Künstler selbst stilisiert. Das gehörte mit zu seinem künstlerischen Wesen und Lebensstil. Johann Heinrich Vogeler war ursprünglich Jugendstilkünstler, das heißt er war ein Mensch, der nach dem Gesamtkunstwerk strebte. Das merkt man daran, dass er alles, was künstlerisch zu gestalten war, gestaltet hat, wie zum Beispiel: Architektur, Glasfenster, Möbel, Kleidung, Gläser, Stoffe und Teppiche. Ein ganz wichtiger Zweig von Vogelers künstlerischer Tätigkeit war also das Entwerfen von Gebrauchsgegenständen.
Er erblickte am 12. Dezember 1872 das Licht der Welt in Bremen. Seine Kindheit verbrachte er in einem sehr stattlichen Haus in der östlichen Vorstadt Bremens, wo die Familie einen großen Garten besaß, in dem er häufig spielte. Da sein Vater ein sehr bekannter Eisenhändler in Bremen war, gehörte die Familie Vogeler eher zu den besseren Kreisen der Hansestadt. Nach der Schulzeit beschäftigte Heinrich sich immer mehr mit der Umgebung rund um Bremen und gelangte somit eines Tages auch nach Worpswede. Sofort war er von der Landschaft begeistert. Nachdem er seinen Vater davon überzeugt hatte, dass es nicht sinnvoll sei, den familiären Betrieb zu übernehmen, konnte er sich seinen Wunsch erfüllen, Kunst zu studieren. Er machte sich auf den Weg nach Düsseldorf um sein Studium an der dortigen Kunstakademie zu absolvieren. Weil er Probleme mit einem Professor hatte, unterbrach er 1892 das Studium und reiste mit ein paar Freunden nach Holland. Vorübergehend hielt er sich als freier Künstler über Wasser. Als er zurückkam, beendete er sein Studium und zog 1894/95 nach Worpswede.
Dort schaffte er sehr bald den künstlerischen Durchbruch, kaufte sich ein altes Bauernhaus und ließ es komplett umbauen. Es wurde als der „Barkenhoff“ berühmt. 1901 heiratete er seine erste Frau Martha Schröder, mit der er drei  Töchter bekam. Im Ersten Weltkrieg war er als Kriegsfreiwilliger vorwiegend an der Ostfront eingesetzt, wo er im Auftrag des Generalstabs Zeichnungen vom Kriegsgebiet anfertigte. Durch die Erfahrungen, die er dort machte, wurde er zum radikalen Pazifisten. Im Januar 1918 schrieb er einen Brief an den Kaiser um seine Gefühle gegen den Krieg auszudrücken. Danach wurde er aus dem Kriegsdienst entlassen und kurzerhand in eine psychiatrische Anstalt bei Bremen eingewiesen. Nachdem er aus der Klinik entlassen worden war, radikalisierte er sich weiter politisch. So ließ er sich im November 1918 beispielsweise in den Arbeiter- und Soldatenrat des Kreises Osterholz wählen und nahm dort vorübergehend das Amt des Pressekommissars wahr. 1919 gründete er gemeinsam mit linken Handwerkern und Intellektuellen die „Arbeitsgemeinschaft Barkenhoff“, womöglich die erste „Kommune“ Deutschlands, die sich selbst verwalten und versorgen sollte. Für die freie Erziehung ihrer Kinder gründeten die Kommunarden die „Arbeitsschule Barkenhoff“. 1923 brachte Sonja Marchlewska, Vogelers spätere zweite Frau, seinen Sohn Jan zur Welt, zusammen reisten sie Ende des Jahres in die Sowjetunion. In den vorangegangenen Monaten war die Existenz der Kommune und der Arbeitsschule durch finanzielle Schwierigkeiten und politische Meinungsverschiedenheiten in Gefahr geraten. Vogeler fand Rat bei dem Vater von Sonja, dem polnischen Revolutionär Julian Marchlewski. Dieser schlug ihm vor, ein Kinderheim auf dem Barkenhoff errichten zu lassen. Dies würde von der Roten Hilfe Deutschlands finanziert werden. Nach langem Überlegen willigte Vogeler ein. So entstand Ende 1923 das Arbeiterkinderheim.
Doch das Heim war ziemlich umstritten, es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Behörden. 1931 zog Vogeler mit seiner neuen Familie in die Sowjetunion, wo er den „sozialistischen Aufbau“ im neuen Stil der so genannten „Komplexbilder“ dokumentierte und propagierte. Nach Deutschland konnte er als entschiedener Antifaschist nicht mehr zurückkehren, nachdem dort 1933 die Nationalsozialisten die Macht ergriffen hatten. Da er für seine Frau nur wenig Zeit übrig hatte, ließ sie sich im März 1941 von ihm scheiden. Nach dem Angriff  Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion ging es steil mit ihm bergab. Als die deutschen Truppen sich Moskau näherten, wurde er im September 1941 nach Kasachstan evakuiert. 1942 erreichte ihn dort seine Rente nicht mehr, so dass er hungerte und erkrankte. Heinrich Vogeler starb am 14. Juni 1942 an den Folgen akuten Nahrungsmangels.

 

Die Fresken

 

Heinrich Vogeler begann 1920 damit, im Barkenhoff Fresken zu malen. Er war mit dem Malen  bis 1925 beschäftigt, unterbrach seine Arbeiten aber mehrfach. Es wird angenommen, dass er für die Gestaltung der Fresken ursprünglich keinen festen Plan hatte. Die Fresken befassen sich mit  verschiedenen Themen:

        1. Untergang und Zukunft,

        2. Der revolutionäre Kampf der Arbeiter,   

        3. Die Internationale Rote Hilfe.

Sie wurden nach Auffassung des Kunsthistorikers Hans Liebau nicht in einem Stil gemalt, sondern in mehreren Stilarten: a)  expressiv, b) im Jugendstil und c) realistisch. 1926 wollten der Regierungspräsident zu Stade und speziell der Osterholzer Landrat Dr. Ferdinand  Becker den Barkenhoff schließen lassen mit der Begründung, dass die Fresken die Kinder des  Barkenhoffs politisch negativ beeinflussen würden. Das Schreiben Landrat Beckers, in dem die Schließung des Kinderheims angedroht wurde, erreichte Heinrich Vogeler 1926 in Moskau. Dieser verteidigte sich in einem Brief und warf der Behörde vor, sie wolle „Künstlern, die in den Reihen des Proletariats stehen (...), jeder Lebens- und Schaffensmöglichkeit (...) berauben.“ In ganz Deutschland protestierten Menschen gegen die angedrohte Zerstörung der Fresken und die Schließung des Barkenhoffs.
Unter diesen Personen befanden sich berühmte Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler wie z. B.  Käthe Kollwitz, Max Pechstein und Thomas Mann. Sie hatten Erfolg mit ihren Protesten. Die Fresken durften bleiben. Zur Zerstörung der Fresken kam es erst 1938 während der nationalsozialistischen Herrschaft.
Heute gibt es keine Überreste mehr. Die Qualität von erhaltenen Fotos der Fresken lässt zu wünschen übrig.

 

Quellen: Rilke, Liebau, Hackmack, Bresler (1991), Bresler (1996), Q 38, 39 u. 41.

 

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