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Verhältnis der Kinder zu den Pädagogen

Ein typischer Tagesablauf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Pädagogik und Alltag auf dem Barkenhoff

Proletarische Erziehung

Die Erzieher und Lehrer des Barkenhoffs sahen es als Verpflichtung, die Kinder im Sinne einer sozialistischen Weltanschauung zu erziehen. Dabei wurden ihnen die Sowjetunion als gesellschaftliches Vorbild und Ziel einer Veränderung auch in Deutschland dargestellt. Die Erzieher vertraten den Standpunkt, dass proletarische Ordnung herrschen solle. „Ausbeuter und Faulenzer darf es bei uns nicht geben“, hieß es in es in einer Kinderheim-Broschüre der Roten Hilfe (zit. bei Bresler,1991; S. 87).

 

Politische Erziehung

  Sehr oft haben die Kinder mit den Betreuern Ausflüge zum Weyerberg gemacht, dabei wurde selbstverständlich über die Verhältnisse der Arbeiter in Russland, England, Dänemark und der ehemaligen Weimarer Republik gesprochen.

Außerdem wurde sie über die wirtschaftlichen Verhältnisse der ländlichen Umgebung Worpswedes informiert. Sie führten mit Handwerkern, Künstlern, Moorbauern und Bremer Arbeitern Gespräche über ihre Arbeit.

 

Arbeitsgruppen

  Die Erziehung zur Gemeinschaft war für die Erziehung von sehr großer Bedeutung. In den regelmäßigen Heimversammlungen wurde ein Heimrat, bestehend aus drei Kindern, gewählt, um eine weitgehende Mitverwaltung des Heimes und somit freiwillige Disziplin zu schaffen.

Es gab Arbeitspläne, nach denen die Kinder im Haushalt mithelfen mussten, wie Küchendienst, Hofreinigung, Gartendienst usw., die jeweils von einem größeren Jungen oder Mädchen geführt wurden.

Außerdem planten sie die Durchführung von Festen.

 

Musik und Kunst

  Bei der Erziehung der Kinder wurde auch sehr viel Wert auf Musik und Kunst gelegt. Jedes Mal wenn Heinrich Vogeler zu Besuch kam, machte er mit den Kindern einen Ausflug zu den Hammewiesen. Im Gepäck hatten sie Zeichenblöcke und Pastellstifte.

An Festtagen spielten die Kinder Theater, wofür sie selbstständig Kostüme, Plakate und Laternen entwarfen.

Das Kinderheim veranstaltete neben Singstunden auch Vorführungen mit Musikern wie den „Roten Geiger“ J. E. Soermus, der den Kindern einen Einblick in die klassische und moderne Musik bot. Kirchenlieder o.ä. wurden gar nicht gesungen, mit der Begründung der Barkenhoff sei ja kein kirchliches Kinderheim.

 

 

Verhältnis der Pädagogen zu den Kindern

Die Pädagogen wollten den Kindern einen schönen Erholungsaufenthalt bieten. Sie kümmerten sich um die Kinder und boten ihnen einen lebendigen und lebensnahen Unterricht an. Die Kinder interessierten sich für den Unterricht und zeigten Motivation, da die Pädagogen fürsorglich mit ihnen waren.

Einer von ihnen war Ernst Behm.

Er wurde 1902 in Ostpreußen geboren und wuchs in einer politischen Arbeiterfamilie auf. Während seiner Seminarzeit hatte er sich vieles über die russischen Produktionsschulen angelesen und versuchte sein Wissen in die Tat umzusetzen. Gemeinsam mit Karl Ellrich entwickelte er die Kinderheim-Pädagogik weiter und führte kindgerechte Formen der politischen Diskussion bis hin zum politischen Theater ein. Ernst Behm unterrichtete das Fach „Weltanschaulicher Unterricht“.

Gestorben ist er 1990 in Stockholm.

Die Kinder hatten zu den Pädagogen ein freundschaftliches und kameradschaftliches Verhältnis. Sie redeten über Probleme, die sie in ihren Familien hatten und versuchten die schlechten Erlebnisse zu vergessen.

Sie spielten Spiele zusammen und jeder durfte offen sagen, was ihm nicht gefiel. Das Recht der Kinder auf freie Meinungsäußerung war wichtig, denn auf dem Barkenhoff galt das Prinzip der Selbstverwaltung.

Die Kinder sahen die Pädagogen als Partner an und deshalb duzten sie sich mit ihnen. Es ging im Barkenhoff wie in einer großen Familie zu , und die Pädagogen versuchten den Kindern das Gefühl zu geben , dass sie nicht alleine sind.

Die Erzieher waren für die Kinder da wie eine Mutter bzw. ein Vater.

 

Ein typischer Tagesablauf

7 Uhr : Aufstehen

7 - 7.45 Uhr : Körperpflege: Vollständig auskleiden, waschen, frottieren (entweder selbstständig oder vom Personal ) und Zahnpflege.

8 - 8.30 Uhr : Erstes Frühstück.

8.30 – 10 Uhr : Verlesen des von den Kindern selbst aufgestellten Arbeitsplanes und gruppenweises Arbeiten im Haus und Hof. (Gruppen werden von je einem älteren Kind geführt.)

Es gab: Bettengruppe, Küchengruppe, Hausreinigungsgruppe, Schuhputzgruppe, Dorfgruppe, Badezimmergruppe, Hofgruppe und Kohlengruppe. (Zuteilung in die Gruppe war abhängig von der körperlichen Beschaffenheit des Kinder)

10-10.15 Uhr: Zweites Frühstück.

10.15– 12 Uhr : Spaziergänge. Sie fallen nur aus wenn das Wetter schlecht oder ein Kind krank ist. Sie sind wichtig für die Verdauung (Appetitanregung) und Mittagsschlaf.

13 Uhr : Mittagessen.

15 Uhr : Bettruhe. (manchmal im Freien)

16 Uhr : Freibeschäftigung unter Aufsicht.

16.15 Uhr: Kuchen essen.

16.15– 18 Uhr : Ausflüge und Spaziergänge.

18.30 Uhr :Abendessen.

19 - 20 Uhr : Gemeinsames Spielen, Tanzen und Singen.

20 Uhr : Waschen und Körperpflege.

20.30 Uhr: Schlafen gehen.

 

Quelle: Bresler (1991)

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