| Bestrafungen
Die Kinder und der Tod der Eltern Zeitungsartikel von einem Barkenhoffkind
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Die Kinder, die in das Kinderheim kamen, stammten häufig aus sozial-politisch schwachen Familien. Die Kinder kamen aus der Stadt, ihre Väter waren – wie eine im Juli veröffentliche Aufstellung zeigt - tot oder im Zuchthaus. Sie hungerten, waren krank und die Mütter hatten kaum Zeit sich um sie zu kümmern, deshalb kamen sie ins Kinderheim. Dort lebten in der Regel 30-35 Kinder mit 20-30 Betreuern zusammen. Die Kinder waren zwischen 6 und 18 Jahren alt und wurden in Kinder- und Jugendgruppen eingeteilt. Sie blieben oft zwischen 8 und 12 Wochen. Meist litten die Kinder unter Unterernährung, Lungenkrankheiten, Rachitis und Behinderungen am ganzen Körper. Durch gymnastische Übungen lernten sie, wie man sich richtig bewegte. Die Kinder lernten gutes Essen kennen, denn viele hatten zuvor noch nie Milch getrunken oder Butter und Wurst gegessen. Dadurch nahmen sie ungefähr 6 bis 12 Pfund zu. Vielen Kindern fiel der Abschied vom Heim sehr schwer, weil sie sich alle aneinander gewöhnt hatten. Verarbeitung
traumatischer Ereignisse der Kinder auf dem Barkenhoff Wir können uns vorstellen, dass Kinder mit solch einer Vergangenheit – erschossene Väter- traumatisiert waren. Der Begriff Trauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet: „Wunde, Verletzung“. Ein Trauma ist eine Erfahrung, das sich als tiefgreifende, psychische Verletzung zeigt. Trauma hinterlassen tiefe Spuren in Körper und Seele und überschreiten die Grenzen, die ein Mensch normalerweise verkraften kann. Menschen erleben Furcht, extreme Hilflosigkeit und Bedrohung in einer traumatischen Situation. Traumatisierte Menschen reagieren sehr unterschiedlich.
Die häufigsten Symptome sind geistige Abwesenheit, Schlafstörungen, Panikattacken, Wutausbrüche, Konzentrationsstörungen, Entfernung von anderen Menschen mit gleicher Erfahrung oder übertriebene Schreckreaktionen. Diese Symptome werden meist durch bekannte Gerüche, Geräusche oder bestimmte Situationen ausgelöst. Anhand eines Artikels des Pädagogen Karl Ellrich im Juli 1926 („Warum rote Kinderheime?“) konnten wir feststellen, dass die Kinder vom Barkenhoff oft sehr abwesend waren und das sie nicht sehr sozial mit anderen Kindern umgingen. Durch ständige Gespräche über den Tod ihrer Eltern untereinander wurden die Kinder immer wieder an die Erlebnisse erinnert. Die Betreuer versuchten bei den Kindern Vertrauen zu erwecken. Dies gelang ihnen durch ihre freundliche Art und indem sie gleichberechtigten Umgang mit ihnen pflegten. Ein schweres Trauma konnte durch die gemeinschaftliche Unterstützung zwar nicht geheilt werden, jedoch wurde den Kindern geholfen es besser zu verarbeiten. Wie
die Kinder über Bestrafungen dachten
An Hand eines Berichtes, der im Bezirksorgan der Roten Hilfe „Kerkerstürmer“ (Nr.5/1927) ausgedruckt war, fanden wir heraus, wie die Kinder vom Barkenhoff über Bestrafungen dachten. Sie gingen ganz anders damit um, als wir zur heutigen Zeit, da sie durch die schrecklichen Erlebnisse (Tod der Väter, Folterungen) das Fehlverhalten von Freunden viel kritischer beurteilten. Als z.B zwei Jungen Butterbrote geklaut hatten, waren sie für eine harte Tracht Prügel oder Einsperrung. Die Vorfälle dieser Art besprachen die Kinder mit den zuständigen Betreuern abends zusammen in einer großen Runde im Tagesraum. Hier durfte jeder mitteilen, was er empfand. Am Ende der Versammlung einigte man sich auf eine Strafe. Im Falle der beiden Jungen ging sie zum Glück nicht so aus, wie die Kinder es sich anfangs gewünscht hatten. Sie mussten eine Woche lang Küchendienst leisten. Wie
gingen die Kinder mit dem Tod und mit dem Alleinsein um
Die Kinder gingen ganz anders mit dem Tod um, als wir zur heutigen Zeit. Sie beschrieben den Tod von ihren Elternteilen ganz ausführlich und sprachen vermutlich ohne Furcht darüber, weil sie sich auf dem Barkenhoff oft mit dem Tod auseinander gesetzt haben. Sie waren auch nicht alleine in der Situation ohne Eltern zu leben, da viele andere Kinder ihr Schicksal teilten und sich gegenseitig unterstützen konnten.
„Meinen
Vater haben sie erschossen“ Hier ein kurzer
Bericht von Else Beyer, der im Juni 1926 im „Kerkerstürmer“ veröffentlicht
wurde. Darin schildert sie, wie ihr Vater brutal umgebracht wurde. „Im
März 1921 kamen drei Sipos bei uns ins Haus. Zwei blieben im Hof stehen
und ein Sipo kam herein. Mein Vater saß auf dem Sofa. Da ging der Sipo
an das Sofa und führte meinen Vater hinaus. Die Sipos haben ihn auf
das
Gut geführt und haben ihn ein paar Tage lang in einen Schweinestall gesperrt. In
einer Nacht haben sie ihn auf eine Landstraße geführt. Sie haben ihn
an
einen Baum gestellt. Die drei Sipos haben ihn erschossen. In der Nacht um
1 Uhr da hörten wir die Schüsse. Früh
um 6 Uhr kam ein Man zu uns und sagte uns, dass die Sipos meinen Vater
erschossen
hätten. Wir suchten ihn. Als wir ihn fanden, da hatte er 11 Schüsse
gehabt. Sie haben ihn erschossen; er sollte mit Waffen fortgetragen
haben.“ Anmerkung: Sipo = Sicherheitspolizei, Sicherheitspolizist (= kasernierte Polizei) Quellen:
Q 14 – 23, 53 – 54, 36 - 37, u. 73; www.medicamondiale.org/html/waswirtun/trauma/110was_ist_trauma.html
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