Startseite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seitenanfang

 

 

 

Propaganda - Ausnutzung der Kinder ?

 

Propaganda bedeutet Werbung für politische Ziele zu machen. Für die Rote Hilfe war Propaganda ein wichtiges Druckmittel. Der folgende Text  von E. Watt ist in Mai 1926 im  „Kerkerstürmer“, dem Organ der Roten Hilfe Bezirk Nordwest, erschienen.

„Unsere Sammelbüchse

Zu Pfingsten waren viele Leute auf dem Barkenhoff

um das Heim zu besichtigen. Darunter waren auch viele

reiche Bürger aus Bremen, denen man keine Not ansah.

Die Kinder der Reichen waren alle gesund und gut gekleidet.

Zum Schluss taten die Besucher auch etwas aus ihrer dicken

Brieftasche in die Sammelbüchse, die auf dem Kamin steht.

Es kamen auch einige Damen. Nachdem die das Heim an-

gesehen hatten, gingen sie an der Sammelbüchse vorbei und

sagten: `Für die Rote Hilfe haben wir nichts übrig!´-

Ein anderes Mal kamen Jugendgenossen und Genossen aus

Bremen zu uns, die wenig verdienten und arbeitslos waren.

Als die die Sammelbüchse sahen, taten die alle etwas hinein.

Ein Arbeiter gab sogar 5 Mark. Darüber freuten wir uns

alle sehr. Die Jugendgenossen haben dann noch bei uns

mitgeholfen. Da haben wir gesehen, was „Rote Hilfe" ist.

Wenn uns die Arbeiter nicht helfen würden, die Bürger,

die unsere Väter ermordet haben, ließen uns verhungern.“

 

 

Nachdem wir den Text gelesen hatten, waren wir unangenehm überrascht. Wir hatten uns nicht vorstellen können, dass die reichen Menschen nichts gespendet haben. Wahrscheinlich befürchteten sie, dass ihr Geld nicht den Kindern, sondern der kommunistischen Politik zu gute käme.

Wir sind der Meinung, dass dieser Text der Wahrheit entspricht, jedoch halten wir andere Zeitungsartikel für einseitig und übertrieben. Manche Berichte wirken sehr Mitleid erregend. Es wird die damaligen Leser sicherlich wütend gemacht haben, dass die Reichen nichts für die Rote Hilfe spenden wollten.

 

Wir denken, dass den Kindern auf dem Barkenhoff in erster Linie geholfen wurde, d.h. sie wurden ärztlich und therapeutisch versorgt und sie bekamen genug zu essen. Sie nahmen reichlich zu und ihr Wohlbefinden stieg. Dennoch finden wir, dass die Kinder ausgenutzt wurden. Dies geschah, indem ihre persönlichen Texte in der Zeitung veröffentlicht wurden. Vielleicht haben die Kinder ihre Erlebnisse aufgeschrieben um sie besser verarbeiten zu können. Die Berichte gelangten über die Mitarbeiter des Barkenhoffs an den ,,Kerkerstürmer“.

 

Das Kinderheim wirkte allein durch seine Existenz schon als Anprangerung des Regimes.

 

Quellen: Q 10 – 33, 35 – 49, 52 – 59, 64 – 65, 67 - 72.