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Die Rote Hilfe
Die
„Rote Hilfe Deutschlands“ (RHD) entstand infolge des so genannten Märzaufstandes
1921 in Mitteldeutschland, bei dem viele Menschen getötet und verhaftet
wurden. 1921 wurden zur Unterstützung der Betroffenen in der
Arbeiterschaft die ersten Rote-Hilfe-Komitees gegründet. Aber auch in
anderen Ländern wurden politisch Andersdenkende verfolgt, und so war die
Notwendigkeit da, eine „Internationale Rote Hilfe“ zu gründen, in der
sich die Länder gegenseitig unterstützten. Zwei Jahre später wurde auf
Grund neu einsetzender Verfolgungen in Deutschland die Rote Hilfe Deutschlands
offiziell gegründet. Die Mitglieder
Am 1.
Oktober 1924 entstand dann eine feste Organisation, deren erster
Vorsitzender Wilhelm Pieck, der spätere Staatspräsident der DDR, wurde.
Ab 1925 übernahm Clara Zetkin den Vorsitz der Internationalen Roten
Hilfe. Jeder, der die Zwecke der RHD anerkannte und regelmäßige Beiträge
zahlte, konnte Mitglied werden, ohne Unterschied seiner Partei oder seiner
Organisationszugehörigkeit. Es bestand die Möglichkeit der Einzel- und
der korporativen Mitgliedschaft. Meist
wurde die korporative Mitgliedschaft den proletarischen Parteien,
Gewerkschaften, Genossenschafts- und Sportorganisationen und Belegschaften
von Betrieben empfohlen. Die Mitglieder der Organisationen waren in
Ortsgruppen zusammengefasst, die aus Betrieben und Wohngruppen bestanden.
Die Ortsgruppen erhielten Anleitung von den Bezirksleitungen und diese
wiederum von einem Zentralvorstand, dem eine Revisionskommission
beigeordnet war, die über die Einhaltung des Statuts zu wachen hatte. Ziele der Roten
Hilfe
Im Jahre 1925 erklärte die Rote Hilfe, dass es der
Zweck der Organisation sei, den proletarischen Kämpfern, die aus
politischen Gründen verfolgt oder verhaftet wurden, und ihren Familien
finanzielle sowie auch materielle Unterstützung zu sichern. 1927 erweiterten sie ihre Ziele. Die Organisation kämpfte
nun auch für das uneingeschränkte Asylrecht politischer Flüchtlinge. Die
Organisation setzte sich das Ziel, den Verfolgten und deren Familien
moralische, juristische und materielle Hilfe zu gewähren. So ergab sich
eine Vielfalt von Aufgaben. Diese bestanden in der Gewährung von
Rechtsschutz, Unterstützung der Betroffenen mit Geld, Lebensmitteln und
Kleidung, aber auch mit der Unterbringung von Kindern in Kinderheimen. Vertreter der Roten Hilfe kümmerten sich aber auch
um die Versorgung der ausländischen politischen Emigranten, insbesondere
durch die Beschaffung von Wohnung und Arbeit. Außerdem setzten sie sich
dafür ein, dass es den Verfolgten im Gefängnis relativ gut ging und sie
Kontakt zu ihren Familie halten durften. Zudem versorgten sie die Häftlinge
mit Zeitungen, wie zum Beispiel mit dem RHD- Organ ,,Der Rote Helfer''. Finanzierung der Arbeit
Infolge der zahlreichen Aufgaben, die erledigt und
finanziert werden mussten, entstanden erhebliche Kosten. Die Höhe der
monatlich aufgebrachten Kosten hing von den zur Verfügung stehenden
Geldern ab. Die Rote Hilfe unterstützte die Frauen von politischen
Gefangenen monatlich mit 12 – 32 Mark, für Kinder gab es 6 –16 Mark
und für Gefangene 5 –12 Mark. Bei Anlässen wie Einschulung und
Schulentlassung, Geburtstagen und zu Weihnachten gab es Geld- und
Sachgeschenke. Von 1925 bis Mitte 1932 wurden mehr als 8 Millionen Mark
ausgegeben, davon ca. 2,3 Millionen Mark an Hilfe für Gefangene und deren
Familien, mehr als 1,7 Millionen Mark für Rechtsschutz, 542.000 Mark für
soziale Fürsorge und Gefangenennothilfe und 474.000 für Kinderhilfe und
Kinderheime. Diese hohen Kosten wurden durch Solidaritätsbasare,
Winter– und Weihnachtshilfen, durch den Verkauf von Abzeichen und
Spendenmarken, vor allem aber durch die zahlreichen Spenden von
Parteimitgliedern; 10 Pfennig pro Woche, finanziert. Durch die Vielzahl
ihrer Anhänger waren die Geldsummen ausreichend. Auch bekannte Künstler
wie z. B. Thomas und Heinrich Mann spendeten
hohe Summen zur Unterstützung. Um
Aufmerksamkeit zu bekommen, warb die RHD mit zahlreichen Plakaten, Broschüren
und Zeitungen, in denen sie
oftmals Berichte über die Gefangenen veröffentlichte, aber auch
Spendenaufrufe startete. Außerdem gewann sie Unterstützung durch
Berichte über das Leid der Kinder politisch Verfolgter und Gefangener. Was
hat die Rote Hilfe erreicht? Die
RHD erreichte, dass es den Familien der politisch Verfolgten und den
Gefangenen relativ gut ging, dass sie Essen, Kleidung, Geld und eine
Unterkunft hatten. Außerdem gewann sie viele Mitglieder und war dadurch
eine der erfolgreichsten Organisationen der Linken. Mitte der 1920er Jahre entwickelte sich die RHD auch
zu einer der stärksten Rote-Hilfe-Organisation im internationalen Maßstab.
Dass sie sich so erfolgreich entwickeln konnte, lag auch daran, dass trotz
zeitweise starker innenpolitischer Auseinandersetzungen in der Weimarer
Republik, günstige Möglichkeiten der demokratischen Entfaltung
bestanden. Mitte 1930/31 entstanden auch Organisationen zur Stärkung
der Mittelschichten, die Rote-Hilfe-Spendenkreisbewegung, Rechtsstellen für
Kleingewerbebetreibende und Kleinbauern, Amnestie- und
Verteidigungskomitees. Dank der Tätigkeit der RHD fanden viele politische
Flüchtlinge, vor allem aus Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, Polen,
Ungarn, Italien und Spanien in Deutschland ein Heim. Die RHD erreichte bei
ihrer anerkennenswerten und aufopferungsvollen Arbeit der Betreuung von
Kindern ermordeter Arbeiter und politisch
Verfolgter sehr viel. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten und Ziele standen die
beiden Kinderheime Barkenhoff und Elgersburg. Dort wurde auch ausländischen
Kindern ein liebevolles Zuhause gegeben. Neben den Kinderheimen entstanden
aber auch Pflegestellen für Arbeiterfamilien. Die Rote Hilfe erreichte
sehr viel in Bezug auf Rettung, Unterstützung und Betreuung der politisch
Verfolgten, der Gefangenen und deren Familien. Das Ende der
Roten Hilfe
Das
offizielle Ende der RHD begann mit der Wahl von Adolf Hitler zum
Reichskanzler am 30. Januar 1933 und der Verbreitung des
Nationalsozialismus in Deutschland. Am 2. März 1933 ließ die Polizei sämtliche
Büros der RHD besetzen und schließen. Sie arbeitete jedoch trotzdem
illegal weiter, was aber nicht lange möglich war. 1936 löste sich die
RHD schließlich ganz auf und ging in andere Organisationen über. Ende
1936 gründeten sieben deutsche Hilfsorganisationen den überparteilichen
Hilfsausschuss für die Opfer des faschistischen Terrors in Deutschland.
Die letzten eigenständigen Veröffentlichungen der Roten Hilfe sind 1936,
vereinzelt noch bis 1938 erschienen. Quellen:
Grahn, S. 8 –19, Q 58, Q
74.
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