DIETER BREUER

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Fragen an Dietrich Breuer, unseren Begleiter während der Firmvorbereitung.
Er ist einer der vielen Vertriebenen, die in Munster heimisch geworden sind.
Als ehemaliger Leiter des Kultur- und Schulamtes der Stadt Munster und als 
aktives Mitglied unserer Pfarrei hat er viel für Bildung, Kunst und Kultur in Stadt und Kirchengemeinde getan. 

1. Woher kommen Sie?                                             2. Wann wurden Sie vertrieben?

    Schlesien/Gutschdorf.                                               1945 im Februar.    

3. Wie alt waren Sie damals?                                    4. Von wem wurden Sie vertrieben?

    9 Jahre                                                                           Von der Roten Armee (Russische Front).

5. Können Sie sich an ihre Heimat erinnern?

    Ja.

6. Mussten Sie schlagartig flüchten?

   Ja, von Sonntag auf Montag morgen.

7.Was konnten Sie mitnehmen? Was hatten Sie an?

    Pro Person durften 20 kg mitgenommen werden, doch die Sachen wurden später gestohlen. 
    Wir trugen normale Kleidung.

8. Mit wie vielen Personen sind Sie auf der Flucht gewesen – Größe der Gruppe?

     Die ersten 4 Wochen waren wir  ca. 1500 Leute in einem Zug.

9. Wer hat geholfen? Wie verhielten sich die Soldaten (deutsche -sowjetische)?

    Deutsche Soldaten haben uns bis nach Bayern geholfen und uns in einem Lager untergebracht.

10. Wie verhielten sich die Menschen bei der Flucht – Zusammenhalt zwischen den Flüchtlingen?

    Die Menschen hielten gut zusammen, denn wir hatten alle das gleiche Los gezogen.

11. Wussten Sie, in welche Richtung Sie gehen mussten?

    Niemand wusste, wohin es geht.

12. Gab es Pausen auf dem Fluchtweg?

    Pausen, ja. Eine große in Braunau. Der Zug wurde ausgeladen und wir in Lagern untergebracht.
    Zwei  Zwangsaufenthalte in Breslau und Tschechei.

13. Sind Sie Tag und Nacht gefahren (Sie waren mit dem Zug unterwegs)?

    Der Zug ist Tag und Nacht gefahren.

14. Was wurde mit kranken Flüchtlingen gemacht?

    Weiß ich nicht mehr.

15. Habt ihr mal gedacht, alles sei vorbei?

    Die erste Zeit haben wir oft ans Ende geglaubt.

16. Gab es auch brenzliche Situationen?
    
    Ja, als der Zug 4 Tage und 4 Nächte an einer gesprengten Brücke halten musste.
    Ein Mann ist  ausgerastet und hat sich eine Axt genommen.

17. Wie sind Sie versorgt worden?

     Eine Zeit lang riesige Fleischtöpfe, denn wir waren an einer Weide mit Kühen, welche            
     Schmerzen wegen vollem Euter hatten und die haben wir dann gemolken und geschlachtet.

18. Haben Sie Familienmitglieder/Freunde verloren?

    Nein, keins von beidem.

19. Was haben Sie bei der Flucht gefühlt? Was war ihre größte Angst?

    Ich hatte keine Angst, es war wie ein Abenteuer. Aber meine Mutter hat viel geweint.

20. Haben Sie während der Flucht gebetet?

    Weiß ich nicht.

21. Oder haben Sie an Gott gezweifelt?

    Weiß ich auch nicht mehr.

22. Wie sind Sie nach Munster gekommen?

    1956 als freiwilliger Soldat.

23. Welchen Beruf hatten Sie in ihrer Heimat und konnten Sie diesen auch in Munster ausüben?

     In meiner Heimat war ich noch ein Kind. In Bayern Metallschleifer und Schneider und Munster  
     Soldat, dann Verwaltungsbeamter.

24.  Haben Sie in der neuen Heimat Leute getroffen, die Sie kannten?

     Ja, das ganze Dorf wurde in die neue Gegend verlegt.

25. Sind Sie schnell heimisch geworden?

     Ja.

26. Oder haben Sie sich als Außenseiter gefühlt?

    Nur für eine kurze Zeit.

27. Welche Rolle hat dabei die Kirche gespielt?

    Eine herausragende Rolle. Ich war Messdiener und in der Jungenschola.

28. Gemeindeleben heute und damals?

    Die katholische Gemeinde in Bayern begegnete zum ersten Mal der evangelischen Gemeinde. Es        wurde mit Hochachtung umgegangen.

29.  Haben Sie ihre Heimat je wieder besucht?

     Ja, 5 Mal.

30.   Wir danken Ihnen für das Gespräch.    

 Sarah Wagner             Margarete Sczesny            Elena Küper           Thomas Hullard-Pulstinger 

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