Der Richtspruch ist ein fester Bestandteil beim Richtfest
(Weihefest, Hebefest, Aufschlagfest), er gibt dem Dank an den Architekten, den
Bauherrn, an alle an diesen Bauwerk Mitwirkenden sowie der Freude über die
vollendete Arbeit Ausdruck. Und auch den Stolz der Zimmerleute auf ihr
Handwerk, ihr Brauchtum und ihre Kollegen. Er beschwört das Glück für den Bau.
Auf dass es alle, die da ein und ausgehen, schütze.
Geschichtlich findet der Richtspruch mit der Entstehung der
Zünfte im frühen Mittelalter erstmals seine Erwähnung. Er hat keineswegs etwas
mit Zauberformeln oder Beschwörungen zu tun. Der Richtspruch entspricht eher
dem Sinn eines Gebetes. Denn er bittet um den Segen Gottes für das Haus. Auch
danken die Zimmerleute dem Allmächtigen für seinen Schutz während ihrer Arbeit
und dass er alle Gefahren von ihnen abgewendet hat. So wenden Sie oft, um alle
Anwesenden daran zu erinnern, nach Ende des Richtspruches den Blick zum
Himmel.
Das Richtfest ist vom Sinn her das ureigene Fest der
Handwerker, die durch ihrer Hände Arbeit das Bauwerk erstellt haben. Sie
sollten die Hauptpersonen sein, mit denen alle Anwesenden das glückliche
Gelingen des Baus feiern - und das Feiern ist ihnen hier das Wichtigste. Es
ist der Ausdruck des Zusammenhaltes und des guten Miteinanders und der Freude
an ihrem Handwerk und ihrer Tradition.
Einer Tradition, die speziell vom Zimmerhandwerk auch heute
zunehmend wieder geachtet und bewahrt wird. Ob durch die Walz, die 3 Jahre und
1 Tag dauert und ganz besonderen Regeln unterliegt, oder durch das Tragen der
traditionellen Kluft - die Zimmerleute zeigen auf vielfältige Art und Weise,
dass Brauchtum und Berufsehre auch in unserer heutigen Zeit durchaus einen
hohen Stellenwert einnehmen können. Und sie wachen darüber, dass ihr
Jahrhunderte alter Brauch respektiert und bewahrt wird.
Und die Bauherren sollten ihrem Respekt durch ein gutes Mahl
und ein zünftiges Richtfest Ausdruck verleihen. Denn der Versuch, durch
Zahlung eines gewissen Betrages an die Bauleute das Richtfest "abzugelten",
verletzt die Ehre dieses Berufsstandes und wird als Missachtung der Tradition
angesehen. Der Bauherr, der dieses versucht, verliert meist die Achtung der
Bauleute.

Beispiel für
einen Richtspruch
Kurz und bündig
Wir wollen gratulieren,
gerichtet ist das Haus,
hat Fenster und hat Türen
und sieht gar stattlich aus.
Der Maurer hat's gemauert,
der Zimmerer überdacht;
doch dass es hält und dauert,
das steht in Gottes Macht.
Schützt auch das Dach vor Regen,
die Mauer vor dem Wind,
so ist doch allerwegen
an Gott allein gelegen,
ob wir geborgen sind.
Quelle:
http://home.rhein-zeitung.de/~uherkenr/richtspr.htm

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