Interview mit Heinz Lemmermann am 15.11.2004

 

 

Heinz Lemmermann wurde 1930 geboren, und somit war es 1940 für ihn Pflicht, den Pimpfen

(Jungvolk) beizutreten. Bis 1943 lebte er in Lilienthal und war dort ein halbes Jahr lang „Pimpfen-Jungenschaftsführer“, was er allerdings in Stade, wohin er nach einem befürchteten Großangriff auf Bremen zu seiner Großmutter zog, verschwieg, da er keine Führungsposition anstrebte.

Sein Vater war nicht in der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei), sondern nur Feldwebel. Die Eltern von Heinz Lemmermann waren mit der Mitgliedschaft ihres Sohnes in der HJ nicht vollkommen zufrieden, aber es war damals Pflicht. Zu Hause wurde deshalb auch kein nationalsozialistisches Leben geführt. Trotzdem sagten sie, dass ihr Kind in der HJ wenigstens Ordnung lernt. Ständiges marschieren Müssen und ständigen Drill empfand er als sehr nervig. Auf der anderen Seite gefiel ihm der Spannungspegel, wenn man sich bei den Gelände- und Militärspielen tarnen musste. Sicherlich wurde kameradschaftliches Verhalten gefördert.

Eine Aufgabe, die jeder ein- bis zweimal in der Woche zugeteilt bekam, war es z.B. die Hakenkreuzflagge zu hissen. Auch dies diente der Indoktrination (hier: nationalsozialistische Lehre), die auf den Führer-Kult ausgerichtet war.

Die Ziele der HJ waren, die Jugendlichen zu erfassen, sie für den NS zu begeistern und sie in Befehl und Gehorsam zu üben. Dazu benutzten sie, wie wir heute sagen würden, die „Meta- Ebene“; d.h. dass ein bestimmter Grund vorgeschoben wird, um den wahren Grund nicht sagen zu müssen.

Auf die Frage, ob er jüdische Freunde hatte, konnte Heinz Lemmermann mit einem klaren „Nein“ antworten. Ihm ist nur ein Jude aus Lilienthal bekannt, der mit seinen Eltern oberflächlich befreundet war. Er hieß Julius Frank und war ein sehr angesehener Fotograf. 1937 oder1938 ist er mit Hilfe des Müllers Heinrich Viebrock zur holländischen Grenze gefahren worden und konnte auswandern.

Heinz Lemmermann stellte fest, dass ihm gegen Ende des Krieges immer mehr Zweifel an der Glaubwürdigkeit des NS kamen. Erlebnisse mit Lehrern und Pastoren führten dazu. „Irgendwas stimmt da nicht!“, war sein Gefühl. Doch konnte er es damals noch nicht genauer bestimmen.

 

 

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