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Die Familie |
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Kurt Albrecht wurde am 4. Juni 1927 in Rodenbach bei Kaiserslautern geboren. Er wuchs als einziges Kind in einer katholischen Familie auf. Sein Vater Richard Albrecht, Jahrgang 1899, hatte den Beruf eines Formers gelernt. Er wird als ein Mann von kräftiger Figur, ohne dick zu sein mit einer leicht gekrümmten Nase und einer aufrechten Körperhaltung beschrieben. Kurts Mutter, eine sehr ruhige grauhaarige, gebeugte Frau, wurde im Jahre 1900 als Anna Lettemann geboren, sie war Hausfrau. Kurt Albrecht absolvierte eine kaufmännische Lehre, wurde aber 1944 zur Kriegsmarine einberufen. Die Geschichte seiner Desertion und Hinrichtung wird an anderer Stelle dargestellt. Die Familie gehörte zu der Minderheit der katholischen Familien im Ort Rodenbach. Zu einem nicht genau datierbaren Zeitpunkt soll Herr Albrecht ohne seine Frau nach Norddeutschland gefahren sein, um die offenbar exhumierte Leiche seines Sohnes zu identifizieren. Es hätten drei Leichen in der Zeltbahn gelegen. Als er wieder zu Hause war, soll er gesagt haben, dass dies der schlimmste Tag in seinem Leben gewesen sei. Anna und Richard Albrecht haben das Grab ihres getöteten Sohnes auf dem Scharmbecker Friedhof alljährlich besucht. Ein Foto zeigt sie etwa 1948 an seiner Grabstelle. Eine uns heute unbekannte Person hatte die Grabpflege übernommen. Da die Eltern jedoch immer älter wurden und die langen Reisen sehr kostspielig waren, beschlossen sie, die sterblichen Überreste ihres Sohnes nach Rodenbach überführen zu lassen, was wohl im Oktober 1955 geschah. Heute liegt Kurt Albrecht gemeinsam mit seinen Eltern in der Familiengrabstätte begraben. Seine Mutter starb 1972, sein Vater sechs Jahre später. Es leben noch Kusinen, Vettern und entferntere Verwandte. Es wird berichtet, dass Kurt Albrecht eine enge Beziehung zu seiner Mutter gehabt haben soll.
Auf dem Familiengrabstein heißt es, Kurt Albrecht sei 1945 „gefallen“. Vielleicht war es den Eltern oder den nach ihnen Hinterbliebenen unangenehm, vor ihren Mitmenschen die Fahnenflucht und Hinrichtung Kurt Albrechts preiszugeben. Ebenso fällt auf, dass Kurt Albrecht auch auf dem Ehrenmal der Kriegsgefallenen des Ortes Rodenbach aufgeführt wird. Auch dies lässt darauf schließen, dass sie meisten nicht von seiner Fahnenflucht wussten oder dass seine Todesursache ins „Ehrenhafte“ umgedeutet wurde.
Quellen: Prozessakten; Informationen von Bernhard Schick, Rodenbach, der Auskünfte von weiteren Verwandten eingeholt hat |