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Gedenken an Kurt Albrecht |
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Kurt
Albrecht wollte kein Soldat mehr sein
OSTERHOLZ-SCHARMBECK. Im Frühling 1945 beschloss Kurt Albrecht, dass er nicht mehr Teil der Kriegsmaschinerie sein wollte. Der junge Soldat besorgte sich ein Fahrrad und Zivilkleidung. Er wollte nach Hause, zurück zu Mutter Anna und Vater Richard. Dort kam er nie an: Ein Exekutionskommando richtete den Marineinfanteristen hin. Heute vor 60 Jahren, am 28. April 1945, wurde der 17-Jährige als Deserteur auf dem Schützenplatz in Osterholz-Scharmbeck standrechtlich erschossen. Zehn Tage später war der Krieg vorbei. Der Geschichtskursus des zwölften Jahrgangs der Berufsbildenden Schulen in Osterholz-Scharmbeck erinnert heute an die Hinrichtung Kurt Albrechts. Mit einem Faltblatt klären sie ihre Mitschüler über die Geschichte des Deserteurs auf. Darin schreiben sie über Albrecht: "Er hat sich am Ende des Zweiten Weltkrieges für das Leben entschieden und musste dafür sterben."24. April 1945: Auf einem Waldweg bei Stellmoor entdeckt der Kommandeur des zweiten Marine-Füsilierbataillons Kurt Albrecht auf seinem Rad, als er auf die Feindlinie im Osten zufährt. Der Jugendliche hat keine Ausweispapiere bei sich, nur einen Zettel. Darauf sind 15 Ortsnamen notiert, von Rotenburg/Wümme bis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Was er hier tue, will der Hauptmann von Kurt Albrecht wissen. Ein Bauer habe ihn auf den Weg zum Fliegerhorst in Rotenburg geschickt, antwortet dieser. Woher er den Wehrmachtspullover unter der Jacke habe, bohrt der Hauptmann nach. Kurt Albrecht sucht nach Ausreden, gibt vor, Zivilist zu sein und den Pullover von einem Soldaten bekommen zu haben. Der Hauptmann glaubt ihm nicht. Er lässt ihn festnehmen.Am 1. August 1944, als der alliierte Brückenkopf in der Normandie bereits bis nach Caen reichte, hatte für Kurt Albrecht in Pilsen der Dienst in der Kriegsmarine begonnen. Der kaufmännische Lehrling, geboren am 4. Juni 1927 in Rotenbach bei Kaiserslautern, kam als Melder zum fünften Marine-Grenadierregiment. Acht Monate später, in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945, bezog er mit der zweiten Kompanie Stellung in einem Wald bei Luhne, nordwestlich von Rotenburg/Wümme. Im Südwesten standen die Briten kurz vor Bremen, Verden hatten sie bereits eingenommen. Im Nordosten verlief die Front in einem Bogen von Rotenburg über Zeven nach Buxtehude. Die Position der Marineinfanteristen lag fast genau in dem Winkel, den die beiden Frontlinien bildeten. "Bei Fluchtversuch sofort schießen", befiehlt der Hauptmann den drei Soldaten, die Kurt Albrecht nach seiner Festnahme zum Bataillonsgefechtsstand abführen. Auf dem Weg nimmt der junge Matrose allen Mut zusammen, wirft einem der Bewacher Sand in die Augen und flieht durchs Unterholz in Richtung britische Front. Doch Albrecht kommt nicht weit. Er meldet sich beim Gefechtsstand zurück, freiwillig, wie er später vor dem Kriegsgericht aussagt. Bei der Verhandlung am 28. April 1945 in Buschhausen glauben die Richter des zweiten Marineinfanterieregiments Kurt Albrecht nicht. Der Matrose gesteht schließlich. "Ich gebe zu, die Stellung verlassen zu haben, um nach Hause zu gehen. Diese Absicht hatte ich von vornherein." Albrecht bittet, ihn "mit allem zu bestrafen, nur nicht mit der Todesstrafe". Der Marineoberstabsrichter, der die Verhandlung leitet, besiegelt das Schicksal des Melders. Er unterschreibt das Todesurteil. Noch am selben Abend wird es auf dem Osterholzer Schützenplatz vollstreckt. In der Gerichtsakte, die heute in der Zentralnachweisstelle des Bundesarchivs in Aachen-Kornelimünster lagert, wird der Ablauf der Hinrichtung minutiös festgehalten. Die Uhr zeigt 20.24 Uhr, als die angetretenen zehn Mann des zweiten Marine-Füsilierbataillons das Kommando "Feuer" erhalten. Der leblose Körper von Kurt Albrecht bleibt zwei Minuten lang am Richtpfahl angebunden, bis der Tod protokolliert wird. Der 17-Jährige wird am 1. Mai ohne Zeremonie auf dem Scharmbecker Friedhof beerdigt. Später wird seine Leiche von dort aus überführt, wann und wohin ist nicht bekannt. Von unserem
Mitarbeiter
Osterholzer Kreisblatt vom 28.04.2005
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