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Ludwig Baumann
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So widersetzte er sich z. B. dem Drängen in die Hitlerjugend einzutreten. Im Jahre 1940 wurde Ludwig Baumann zur Marine eingezogen und musste dort strafexerzieren, robben und Wache schieben, weil er sich weigerte, seinen Vorgesetzten die Stiefel zu putzen. Im Frühjahr 1942 war es dann so weit: Ludwig Baumann fand, als er der Hafenkompanie in Bordeaux zugewiesen wurde und auf Menschen traf, die den Krieg genauso unsinnig hielten wie er, dass das nicht mehr so weiter gehen könne.
Ludwig Baumann entschloss
sich mit seinem Freund Kurt Oldenburg die Wehrmacht zu verlassen und über
den unbesetzten Teil Frankreichs nach Amerika zu flüchten. Durch einen
unglücklichen Zufall wurden die beiden von einer deutschen Zollstreife an
der Demarkationslinie entdeckt. Sie waren beide bewaffnet, doch, so Baumann:
„Wir konnten einfach keine Menschen töten !“ So wurden sie verhaftet. Baumann wurde mehrfach gefoltert, weil er seine französischen Freunde nicht verraten wollte. Sein Prozess vor dem Marinegericht dauerte circa 40 Minuten. Er wurde zum Tode verurteilt und saß zehn Monate, an Händen und Füßen gefesselt, in der Todeszelle. Nach diesen zehn Monaten erfuhr Ludwig Baumann, dass er bereits nach sieben Wochen zu 12 Jahren Zuchthaus begnadigt worden war. So gelangte er, nachdem er in mehreren Konzentrationslagern gewesen war, in das Wehrmachtsgefängnis Torgau, wo man ihn auf einen Einsatz im Strafbataillon 500 vorbereitete. Zu bemerken ist, dass kaum einer diesen Einsatz überlebte. Ludwig Baumann aber wurde 1944 in der Südukraine verwundet und hatte das Glück, im Lazarett in die Obhut eines tschechischen Arztes zu gelangen, der seine Genesung bis zum Kriegsende hinauszögerte. Wieder zu Hause in Hamburg, ging es ihm kaum besser. Deserteure wurden als Feiglinge beschimpft und von der Bevölkerung verachtet. Außerdem konnte Ludwig Baumann seine Erlebnisse vorerst nicht verarbeiten und versuchte sie so mit Alkohol zu verdrängen. Sein Vater brach unter der Last zusammen und starb kurz nach Kriegsende. Ludwig schlug sich als Handelsvertreter durch, lernte so seine Frau kennen und zog zu ihr nach Bremen. Doch auch sie litt unter seiner Sucht und starb sehr früh bei der Geburt des sechsten Kindes. Dieser Schicksalsschlag bewegte etwas in Ludwig Baumann, er befreite sich von seiner Sucht und entschloss sich seine Kinder alleine aufzuziehen. In den 1980er Jahren schloss er sich der damaligen Friedensbewegung an und gründete Anfang der 1990er Jahre die Bundesvereinigung Opfer der NS- Militärjustiz e.V. Seitdem kämpft Ludwig Baumann für die Rehabilitation der Wehrmachtsdeserteure, nimmt an Gedenkveranstaltungen teil, hält Vorträge und gibt Interviews. Am 17. Mai 2002 hob der Deutsche Bundestag die Gerichtsurteile gegen Deserteure auf, ein später Erfolg seiner politischen Arbeit.
Quellen: Janßen, Meinhardt und Eickmeier
Merle Brose und Lena Sass |