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Kurt Albrecht

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Antrag wird bewilligt

Gedenken an Kurt Albrecht

Gedenkenfeier

TAZ

Radio Bremen 4

Weitere Deserteure

Ludwig Baumann

Fotos mit Baumann

Walter Hundt

Joseph Ratzinger

Alfred Andersch

Alfred Andersch Werke

Literatur/Quellenangabe

Geschichtsatlas

 

 

 

DANKSAGUNGEN

Das Thema unserer Projektarbeit lautet „Gedenken an Kurt Albrecht und alle Wehrmachts-Deserteure des Zweiten Weltkrieges“.

Zunächst einmal möchten wir einiges über Deserteure berichten. Über 100.000 deutsche Soldaten desertierten im Zweiten Weltkrieg. Gegen Deserteure, die sich vom Soldatenleben befreien wollten, ging die Wehrmachtsjustiz mit erbarmungsloser Härte vor. Tausende von so genannten Fahnenflüchtigen wurden zum Tode verurteilt. Viele von ihnen wurden noch in den letzten Kriegstagen umgebracht.

Wir, der Geschichtsgrundkurs des 12. Jahrgangs der Fachgymnasien, wollen all derer gedenken, die im Zweiten Weltkrieg aus der Deutschen Wehrmacht desertiert sind. Besonders Kurt Albrecht, der am 28. April 1945 in Osterholz-Scharmbeck im Alter von 17 Jahren zum Tode verurteilt und unmittelbar danach hingerichtet wurde,  wollen wir mit Hilfe unseres Kurses in Erinnerung rufen.

 

Die meisten Kursteilnehmer kannten sich ursprünglich in der Geschichte von Deserteuren nicht aus. Unser Geschichtslehrer erzählte uns von der Arbeit unseres Vorgängerkurses, der im zweiten Schulhalbjahr 2004 einen historischen Stadtrundgang durch Osterholz-Scharmbeck erarbeitet und durchgeführt hatte. Die Ergebnisse der Recherchen liegen als Broschüre vor: „Stationen der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Osterholz-Scharmbeck. Begleitheft zu einem historischen Rundgang“. Drei Schülerinnen waren seinerzeit vagen Hinweisen nachgegangen, wonach am 28. April 1945 ein 17-Jähriger exekutiert worden sein sollte. Durch Einsicht in ein Kirchenbuch der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Willehadi in Osterholz-Scharmbeck (Verzeichnis der Begrabenen 1934-1945) gelang es ihnen, den Namen, das Geburtsdatum und den Geburtsort des Hingerichteten herauszufinden. Nachdem diese Daten bekannt waren, fand die Zentralnachweisstelle des Bundesarchivs in Aachen seine Prozessakte in ihrem Bestand und stellte der Schule eine Kopie zur Verfügung.

Die Arbeitsergebnisse unseres Vorgängerkurses motivierten uns, dieses Projekt ins Leben zu rufen, zumal sich der Todestag Kurt Albrechts zum sechzigsten Male jähren würde. Wir stellten uns vor, dass das Frühjahr 2005 eine Zeit intensiven öffentlichen Gedenkens an das Kriegsende und die Befreiung vom nationalsozialistischen Terror sein würde. Deshalb konnten wir damit rechnen, mit unserem Vorhaben Aufmerksamkeit zu erregen. Wir diskutierten Aktionen und Symbole historischer Erinnerungsarbeit wie z.B. Stolpersteine und Mahnmale. Schließlich einigten wir uns  auf folgendes Ziel: Ein Weg, der vom Bahnhof Osterholz-Scharmbeck am Bahndamm entlang zu unserer Schule führt und damals in einem schlechten Zustand war, sollte saniert und dem 17-jährigen Deserteur zu Ehren „Kurt-Albrecht-Weg“ genannt werden.

Anfang Februar formulierten wir folgende Etappenziele:

1.    Bis zum  28. April 2005 – dem Jahrestag der Hinrichtung - sollte unsere Schule über das Schicksal Kurt Albrechts informiert sein und dazu bereit sein, ihn öffentlich zu ehren.

2.    Es sollte darauf hingearbeitet werden, dass die Medien (Zeitungen, möglichst auch Rundfunk und Fernsehen) am 28. April über das Schicksal Kurt Albrechts berichten würden.

Danach solle über das weitere Vorgehen entschieden werden. 

 

Vorerst wurden Arbeitsgruppen zu folgenden Themen bzw. Aufgaben gebildet:

-    Recherchen zum familiären Hintergrund Kurt Albrechts in der Pfalz,

-    Recherchen zur NS-Militär-Justiz,

-    Recherchen zur Biografie und zum Schicksal weiterer Deserteure,

-    Mobilisierung der eigenen Schule,

-    Medienkampagne,

-    Verhandlungen mit der Stadt Osterholz-Scharmbeck;

-    Gestaltung einer Website im Rahmen von   „Geschichtsatlas.de“.

 

Nun lag es in unseren Händen, das Projekt mit Leben zu füllen. Die Arbeitsgruppe, die sich mit dem Schicksal anderer Deserteure auseinandersetzen wollte, nahm nach kurzer Zeit Kontakt zu dem ehemaligen Deserteur Ludwig Baumann aus Bremen-Nord  auf, der Vorsitzender der Bundesvereinigung der Opfer der NS-Militärjustiz ist. So entstand der Plan, am 28. April 2005 eine Gedenkveranstaltung  in der Schule durchzuführen, in der Baumann als Ehrengast und zugleich als Zeitzeuge auftreten sollte. Die Gedenkveranstaltung, an der auch der stellvertretende Bürgermeister von Osterholz-Scharmbeck, Klaus Sass, teilnahm, war ein voller Erfolg. Das „Osterholzer Kreisblatt“ und der „Osterholzer Anzeiger“ berichteten ausführlich darüber (siehe „Zeitungsberichte“) und am Gedenktag selbst war im Kreisblatt ein groß aufgemachte Artikel zum Schicksal Kurt Albrechts erschienen.

 

Auf die Frage „Wie hast du dich am Ende der Veranstaltung gefühlt ?“ notierten die Kursteilnehmer am 2. Mai 2005 im Rahmen einer Auswertungsrunde:

„-    klüger, traurig,

-        erleichtert,

-        zufrieden,

-        froh, weil alles geklappt hat,

-        respektvoll,

-        gut,

-        erschüttert,

-        froh, dass es nicht einem selber passiert ist,

-        froh, dass wir den Bürgermeister auf unserer Seite haben,

-        nicht besonders gut,

-        das Thema ging mir nahe,

-        glücklich über guten Verlauf,

-        froh, dass viele gekommen sind,

-        dufte,

-        aufgeklärt,

-        Kloß im Hals,

-        in mich gekehrt,

-        beeindruckend.“

 

Vor allem die Arbeitsgruppen „Mobilisierung der eigenen Schule“ und „Medienkampagne“ sowie „Verhandlungen mit der Stadt“ hatten mit dazu beigetragen, dass die Etappenziele erreicht wurden, indem sie

-    einen Fragebogen ausarbeiteten und auswerteten, nachdem sie damit durch Klassen und Kurse unserer Schule gegangen waren und das Projekt vorgestellt hatten,

-    einen Flyer schrieben und verbreiteten,

-    eine Presseerklärung formulierten und verschickten,

-    Vorgespräche mit der Schulleitung und Stadtverwaltung führten etc.

 

Am 9. Mai 2005 überreichte eine Schüler-Delegation offiziell den von allen Kursteilnehmern unterschriebenen „Antrag auf Sanierung eines Weges und Benennung als `Kurt-Albrecht-Weg´ “ im Rathaus (siehe „Antrag“). Gleichzeitig gruppierte sich der Kurs teilweise um und legte entsprechend der erneut diskutierten Gliederung der Website neue Aufgaben und Arbeitsschritte fest.

In der folgenden Sitzung am 23. Mai – wie immer an einem Montag um 08.00 Uhr – teilten einige Kursteilnehmer ihre Beobachtung mit, dass städtische Arbeiter kurz zuvor mit der Sanierung des Weges begonnen hatten. Wenig später traf ein Schreiben des Bürgermeisters Martin Wagener vom 20. Mai 2005 ein, in dem er den Eingang des Antrages und die begonnene Sanierung bestätigte. Er persönlich könne den Antrag unterstützen, da auch ihn der „unnötige und sinnlose Tod von Kurt Albrecht kurz vor Kriegsende sehr betroffen gemacht“ habe.  Weiter heißt es in dem Schreiben: „Um in dieser Angelegenheit aber eine Entscheidung herbeiführen zu können, muss Ihr Anliegen den zuständigen Ausschüssen (Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung und Rat) vorgelegt werden“.

Der zuständige Fachausschuss stimmte dem Antrag am 21. Juni 2005 einstimmig zu. „Es stehe kein öffentliches Interesse dagegen, den Weg nach Kurt Albrecht zu benennen. Allerdings müsste die Strecke so hergerichtet werden, dass der Zustand dem Namen keine Schande mache“, so  Wilfried Pallasch von der Bürgerfraktion und der SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Schönemeier. Zwei Tage später stimmte auch der Verwaltungssauschuss zu. Am 7. Juli 2005 beschloss der Stadtrat einstimmig, dass der Weg  „Kurt-Albrecht-Weg“ heißen soll.

Am 9. Mai legten wir die Arbeitsvorhaben für den Rest des Halbjahres fest. Nunmehr ging es vor allem um Recherchen für Fertigstellung der Website. Die Öffentlichkeitsarbeit sollte fortgeführt werden.

Es war uns in der ersten Projektphase nicht gelungen, an Informationen über die Familie Kurt Albrechts heranzukommen. Versuche, zu einer Person Kontakt aufzunehmen, die sich im Telefonbuch fand und vielleicht etwas wissen könnte, waren erfolglos geblieben. Auch die Gemeinde Rodenbach hatte nicht auf Bitten um Unterstützung reagiert. Im Juni gelang es jedoch, Kontakt herzustellen und Informationen sowie Fotos aus Rodenbach zu erhalten.

Eine weitere Gruppe wollte nunmehr herausbekommen, ob die Osterholz-Scharmbecker Zivilbevölkerung 1945 von der Hinrichtung Kurt Albrechts erfahren hatte. Anfang Juli gelang es ihr sogar, einen Augenzeugen zu finden. Die Nachforschungen zur weiteren Karriere des Marinerichters blieben dagegen erfolglos. Die Schicksale weiterer Deserteure – auch aus unserer Region - wurden untersucht und dargestellt. Leider war es nicht möglich, alle Fälle darzustellen, die uns bekannt geworden sind.

Die Mediengruppe nahm Kontakt zum Sender Radio Bremen 4 auf und schilderte  unser Anliegen. Der Sender erklärte sich sofort bereit, unser Projekt im Radio zu vertreten. Zuerst wurden dir Mitschüler zur Sendung „Weltweit“ eingeladen, die jeden Sonntag von 16 bis 19 Uhr läuft. Diese Zusage wurde leider wieder gebrochen. Die Gruppe gab aber nicht auf und verschaffte  sich einen neuen Sendetermin am 22. Juni 2005.

Eine spannende Geschichtsstunde brachte uns der Besuch Erhard Oldenbüttels am 13. Juni. Er berichtete über das Schicksal seines in Osterholz-Scharmbeck aufgewachsenen Onkels, der im Rahmen der so genannten Euthanasie in Pirna ermordet worden war. Auch hier ging es um die Geschichte einer mühseligen Recherche.

Alles in allem glauben wir, dass das Projekt erfolgreich war. Wir haben erreicht, dass die Stadt Osterholz-Scharmbeck als erste Kommune Deutschlands einen öffentlichen Weg nach einem Deserteur benennt.

 

Christel Stock und Catrin Heins