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Joseph Ratzinger |
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Wir haben uns mit der Frage auseinandergesetzt, ob auch Joseph Ratzinger, der neue Papst Benedikt XVI., als Deserteur zu bezeichnen ist. Es gab seit dem Dezember 1936 ein - 1938 noch einmal verschärftes - Jugendpflichtgesetz, wonach jeder zehnjährige Junge und jedes zehnjährige Mädchen am 20. April (an Hitlers Geburtstag), in die Hitler-Jugend (HJ) aufgenommen wurde. Zunächst in das deutsche Jungvolk der 10- bis 14-Jährigen, dann wechselte man in die eigentliche Hitler-Jugend der 14- bis 18-Jährigen. Auch Joseph Ratzinger konnte sich der HJ nicht entziehen. Er war 1938 elf Jahre alt und musste somit auch in die Hitler-Jugend. Nur ein kleiner Prozentsatz der Kinder konnte ihr entgehen. Meist waren es streng katholische Familien, die sich mehrfach geweigert haben, ihre Kinder - vor allem Jungen - zum HJ-Dienst zu schicken. Das ging zweimal gut, beim dritten Mal kam die Ortspolizei, und dann wurde man zum Dienst vorgeführt. Mit 16 Jahren war Joseph Ratzinger dann Flakhelfer in der HJ. Später war er dann noch beim Reichsarbeitsdienst und schließlich auch Soldat. In seiner Biografie „Aus meinem Leben“ notiert Joseph Ratzinger zu den letzten Tagen des Krieges und seiner Desertion: „Seltsamerweise wurden wir nicht an die immer mehr sich nähernde Front gerufen. Wir erhielten aber neue Uniformen und mussten mit Kriegsliedern auf den Lippen durch Traunstein marschieren, vielleicht um der Zivilbevölkerung zu zeigen, dass der ‚Führer‘ immer noch über junge und frisch ausgebildete Soldaten verfüge. Der Tod Hitlers verstärkte schließlich die Hoffnung auf ein baldiges Ende. Ende April oder Anfang Mai – ich weiß es nicht mehr genau – entschloss ich mich, nach Hause zu gehen.“ Er war gerade erst 18 Jahre alt, als er sich entschloss seine Einheit zu verlassen und nach Hause zu gehen. Zwei Soldaten erwischten ihn beim Desertieren, ließen ihn aber gehen. Nach der Besetzung geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er aber nach wenigen Wochen entlassen wurde.
Quellen: Joseph Ratzinger. Aus meinem Leben (1927-1977). Stuttgart 1998
Janka Gailus und Catrin Heins
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