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Was wussten die Osterholz-Scharmbecker?
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Wir sind am 6. Juni 2005 zusammen in die Stadt gegangen und haben alten Menschen auf der Straße folgende Fragen gestellt: „Was sind Deserteure ?“ und „Was haben sie während des Zweiten Weltkrieges und danach über Deserteure gehört ?“ Die Reaktionen auf unsere Fragen sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Die meisten Angesprochenen reagierten sehr abweisend und desinteressiert und gingen einfach weiter. Doch einige wenige zeigten Interesse. Leider konnten die meisten nicht auf unsere Fragen eingehen und erzählten uns von ihren persönlichen Kriegserlebnissen. Die Umfrage hat uns den Eindruck vermittelt, dass die Menschen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, versuchen ihre Erlebnisse zu verdrängen und Angst haben vor allem mit uns jungen Menschen darüber zu reden.
Da unsere Umfrage auf der Straße nicht die gewünschten Informationen erbracht hat, gab uns unser Lehrer den Tipp Wilfried Seedorf anzurufen. Zuvorkommend lud uns Herr Seedorf am 2. Juli zu sich nach Hause ein. Dort trafen wir auf vier Zeitzeugen, Hans Herbert Trutzenberger, Karlheinz Schröder, Elisabeth und Wilfried Seedorf. Wir erfuhren, dass die Menschen im Ortsteil Osterholz damals nichts über die Verurteilung und Hinrichtung von Kurt Albrecht erfahren haben. Allerdings berichtet Herr Seedorf, dass seine Cousine, die damals noch ein Kind war, die Hinrichtung von Kurt Albrecht auf dem Schützenplatz aus einem nahe liegenden Haus beobachtet habe. Wir erfuhren weiterhin, dass für Kurt Albrecht nach seiner Ermordung ein Kreuz aufgestellt wurde, auf dem ein Stahlhelm hing. Das Kreuz stellte ein Unbekannter auf. Dies lässt vermuten, dass der Unbekannte Kurt Albrechts Tod als ehrenhaft darstellen wollte, da das Kreuz mit dem Stahlhelm als ein Symbol für heldenhaften Todes galt. Während des Gesprächs wird uns weiterer Zeitzeuge, Wilhelm Nackenhorst, genannt, der aus Buschhausen stammt. Daraufhin besuchen wir auch ihn. Das Gespräch ergibt, dass er Kurt Albrecht sowohl bei der Ankunft in Buschhausen als auch der Abführung zum Schützenplatz gesehen hat. Wir empfinden es als Sensation, einen Augenzeugen gefunden zu haben. Uns überrascht seine Aussage, die unsere bisherige Vermutung widerlegt: Kurt Albrecht wurde nicht wie bisher angenommen in der Gaststätte „Heidkrug“ in Buschhausen verurteilt, sondern in einem nahe liegenden Privathaus in der Heilshorner Straße, das zur damaligen Zeit der Familie Lührsen gehörte. Herr Nackenhorst wohnte 1945 gegenüber dem „Heidkrug“ und beobachtete die Abführung Kurt Albrechts zum Schützenplatz vom Fenster seines Familienhauses aus. Zu der Zeit war Herr Nackenhorst fast 12 Jahre alt und folgte aus Neugierde dem Kommando, das aus ungefähr vier „Feldgendarmen“ (so genannten „Kettenhunden“) bestand, bis kurz vor dem Schützenplatz. Weiter traute sich der damalige Junge nicht, doch er hörte einige abgefeuerte Schüsse. Für die Informationen und für die wunderbare Gastfreundschaft möchten wir uns bei allen, insbesondere Herrn und Frau Seedorf, aber auch bei Hans Herbert Trutzenberger, Karlheinz Schröder und Frau Nackenhorst bedanken. Ganz besonders möchten Herrn Nackenhorst danken, der uns die wichtigsten Informationen gegeben hat.
Merle Brose und Lena Sass |