Das Außenlager Neuenkirchen (Farge) des Konzentrationslagers Neuengamme

 

 

- Was ist ein KZ?

- Das Hauptlager Neungamme

- Das Außenlager Neunkirchen (Farge)

- Zwei Einzelschicksale

- Raymond Portefaix      -  Adam Leja 

- Quellen:

 

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Was ist ein KZ?

 

Ein Konzentrationslager ist eine Einrichtung, um Gegner aus anderen Gruppen festzuhalten oder zu isolieren. Dies geschieht meist über einen längeren Zeitraum und ohne Gerichtsbeschluss oder sonstige Urteile.

 

Der Begriff Konzentrationslager bezeichnet alle möglichen Arten von Sammellagern, Internierungslagern und Arbeitslagern, sagt aber nichts über den Zweck eines solchen Lagers aus.

 

Sammellager für Kriegsgefangene, Strafgefangene und Strafarbeiter waren schon längere Zeit verbreitet, daneben entwickelten sich allerdings im 19. Jahrhundert Formen des Internierungslagers oder Auffanglagers im Zusammenhang mit Vertreibung, Auswanderung und kolonialistischer Eroberung.

Seit dem Nationalsozialismus in Deutschland (1933-1945) verbindet man den Begriff jedoch meist mit der gezielten staatlichen Verfolgung und Ermordung von Andersdenkenden und insbesondere mit der Verfolgung der europäischen Juden und dem Holocaust.

Vor diesem historischen Hintergrund würde es leichtfertig wirken, alle Arten von Sammellagern noch als Konzentrationslager zu bezeichnen. Mit der Verwendung des Begriffs soll meist auf massive Menschenrechtsverletzungen hinwiesen werden, die mit verschiedenen Lagerarten verbunden sind.

Allerdings gibt es bis heute Gefangenenlager, in denen Genfer Konvention missachtet wird oder die ihrem Geltungsbereich entzogen werden. Es sind Konzentrationslager, auch wenn sie nicht so genannt werden.

 

Das Hauptlager in Neuengamme

 

Seit 1935 plante die SS ein neues Konzentrationslager in der Nähe von Hamburg. Es sollte das zentrale KZ in Norddeutschland werden. 1938 fand die SS einen passenden Standort in Neuengamme. Dort befand sich eine alte, stillgelegte Ziegelei. Nun sollte im neu errichteten  KZ ein großes Klinkerwerk entstehen, um die notwendigen Klinkersteine für die geplanten Baumaßnahmen in Hamburg zu produzieren.

Die ersten Transporte von 100 Häftlingen trafen am 3. Dezember 1938 in Neuengamme ein.

Die Häftlinge sollten das Werk in einen rentablen Zustand bringen und gleichzeitig Wohn- und Wirtschaftsbaracken bauen. Zuerst wurde ein Stacheldrahtzaun gezogen, der später an die Starkstromleitung angeschlossen wurde.

Die Häftlinge dienten bei den Arbeiten als kostenlose Arbeitskräfte. Sie erhielten nur eine geschlossene Unterkunft, elende Kleidung und noch elendere Ernährung. In jeder Baracke wurden 200 Inhaftierte unter schlechtesten hygienischen Bedingungen untergebracht.

Wenn die Häftlinge nicht auf die Anweisungen des Wachpersonals hörten, wurden sie verprügelt oder bekamen weniger zu essen. Das Essen bestand meist aus einer wässrigen, ungenießbaren Suppe, die die Häftlinge  wohl oder übel essen mussten, um dem nahen Hungertod zu entgehen. Die Mangelernährung und die harte körperliche Arbeit führten bei vielen Häftlingen zum Tod. Das Motto des KZ Neuengamme war: „ Vernichtung des Häftlings durch Schwerstarbeit!“

 

Auf dem Appellplatz fanden die Zählungen der Inhaftierten, Hinrichtungen, Auspeitschungen und Prügelaktionen statt. Auch die Toten mussten mit auf den Appellplatz gebracht werden, um sie mitzählen zu können. Die Inhaftierten mussten dabei deutsche Volkslieder spielen und singen.

Die Häftlinge die nicht an der schweren Arbeit starben, wurden ohne Verurteilung durch das Gas Zyklon - B umgebracht. Ihre Leichen wurden im Ofen des Krematoriums verbrannt. Die Asche diente als Dünger für den Gemüsegarten der KZ-Küche. Den Gipfel des Unfassbaren bildeten die medizinischen Untersuchungen, die an einigen Häftlingen vorgenommen wurden. Sie wurden absichtlich mit Tuberkulose infiziert oder es wurde getestet wie lange ein Mensch mit totaler Unterkühlung oder ohne Sauerstoffzufuhr überleben konnte.

 

Das Außenlager in Neuenkirchen (Farge)

 

Eines der 72 Außenlager des KZ Neuengamme wurde in der Neuenkirchener Heide errichtet. In und um Bremen gab es neun dieser Außenkommandos (Akos), davon arbeiteten fünf für die Stadt Bremen und vier für die Kriegsmarine. Eines der beteiligten Akos war das KZ Außenlager Neuengamme in Neuenkirchen, welches gleichzeitig das größte Lager in Bremen und der näheren Umgebung war.

Das KZ-Außenlager wurde 1943 speziell für den Bau des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen-Farge errichtet und liegt vier Kilometer von der Baustelle entfernt. Die Häftlinge wurden auf Grund des Barackenmangels in bereits fertiggestellten Treibstoffbunkern untergebracht. Diese Unterkunft war eine 15 Meter tiefe runde Betongrube mit einem Durchmesser von 50 m, die nur durch eine schmale Treppe zu erreichen war.

Am Rande der Betongrube dienten drei Baracken als Küche, Krankenrevier und als SS-Verwaltung. Das Lager war mit elektrischem Stacheldraht umzäunt und von SS-Posten, später Marinesoldaten, umstellt. Während der intensiven Bauphase des Bunkers “Valentin“ lag die Zahl der Lagerinsassen bei 2700-3000 Menschen, darunter befanden sich viele Russen und Polen.

Im Mai 1944 kamen zahlreiche Griechen und im Juli 1944 Franzosen in das Ako Neuenkirchen. Um die große Anzahl neuer Häftlinge unterbringen zu können, wurde das Lager um mehrere Baracken erweitert. Als diese im Lager eintrafen, waren die wichtigen Kapo-Funktionen bereits vergeben, vor allem an polnische und russische Häftlinge. Die Aufgaben der Funktionshäftlinge (Kapos) bestanden u.a. darin, die Stuben- und Tischdienste einzuteilen und die Essensportionen auszuteilen. Sie verteilten die Häftlingsarbeit und überwachten sie. Kapos waren häufig sehr skrupellose Menschen, die brüllten und schlugen, wenn Häftlinge nicht sofort spurten. Sie nahmen ihnen das Gefühl, ein Mensch zu sein. Die Zerstörung der Persönlichkeit von Häftlingen begann schon im Hauptlager des KZ  Neuengamme, denn vor ihrer Deportation in die Außenlage wurden ihnen die Haare am ganzen Körper geschoren, sie wurden desinfiziert und die Goldzähne wurden ihnen herausgebrochen. Zusätzlich erhielten sie sogenannte „Zebraanzüge“, und jeder Lagerinsasse bekam eine Nummer zugeteilt. Ab diesem Zeitpunkt war er kein Mensch mehr, sondern eine Nummer. So hieß er zum Beispiel 30.756 oder 45.789...

Diese Nummer spielte eine wichtige Rolle in dem Leben der KZ-Insassen, denn wer seine Nummer nicht korrekt aussprechen konnte, erhielt kein Essen oder er wurde geschlagen, wenn er beim Appell nicht darauf  reagierte. Ebenso war es eine Überlebensfrage, ob man in einer der Baracken oder im Treibstoffbunker untergebracht wurde. Der Treibstoffbunker war aus Beton und Stahl, unbeheizt und ungelüftet, die Häftlinge lebten darin zu Hunderten zusammengepfercht. Die Ernährung innerhalb des Lagers war sehr schlecht, so wurden die Männer immer mehr durch den unerbittlichen Hunger geschwächt. Die Tagesration bestand aus einer dünnen Scheibe Schwarzbrot, einem Teelöffel Margarine und Wassersuppe aus Futterrüben oder Kohl.

Die arbeitsfähigen Lagerinsassen bekamen ihre Suppe täglich zur Baustelle “Valentin“ gekarrt. Um die Baustelle zu erreichen, mussten die KZ- Häftlinge im Sommer zu Fuß gehen. Im Winter wurden sie mit Loren gefahren. Der Bunker stand unter strenger und ständiger Bewachung der SS. Bei seinem Bau wurde ein sehr untypisches Konzept verfolgt, denn es gab Tag- und Nachtschichten. Dies war sehr ungewöhnlich, denn die Wahrscheinlichkeit von Fluchtversuchen stieg. Doch im Ako Neuenkirchen löste man damit die Probleme der Belegung von Pritschen. Die Männer, die nachts arbeiteten, machten ihre Pritschen frei für diejenigen, die von der Arbeit kamen. Fluchtversuche waren fast unmöglich, denn das Lager und der Bunker waren zu gut bewacht. Außerhalb des KZ und des Bunkers galten die Häftlinge als Diebe und Gangster, die man abzuknallen hatte. Somit war es ihnen unmöglich, in näherer Umgebung unterzutauchen. Auf dem Rückweg zum Lager wurden die Häftlinge von Kindern  mit Steinen beworfen.

Die Leichen der im Ako Neuenkirchen verstorbenen Häftlinge wurden 1943/44 noch zur Verbrennung nach Neuengamme transportiert. 1944/45 legte man in der Nähe des Akos Massengräber an, weil die Transportkapazität nicht mehr ausreichte. Das Ako Neuenkirchen galt wegen seiner hohen Todesrate als eines der härtesten des KZ Neuengamme.

Die Evakuierung des KZ Neuenkirchen begann am 7. April 1945. Einige Häftlinge sollten in Waggons nach Bergen-Belsen transportiert werden. Hier kamen sie jedoch nie an, da die Bahnschienen auf der Strecke durch Bombenangriffe zerstört wurden. Die Menschen verhungerten und verdursteten auf dem Transport. In den Waggons stapelten sich die Toten. Andere KZ-Häftlinge wurden vom 11. bis 15. April 1945 auf einem „Todesmarsch“ nach Sandbostel getrieben. Auf diesem Marsch kamen viele Menschen vor Erschöpfung um.

Andere KZ-Insassen wurden nach Neuengamme und von dort aus zur Neustädter Bucht (Ostsee) gebracht. Dort wurden sie auf die Schiffe “Cap Arcona“ und “Thielbeck“ verladen.

Am 3. Mai 1945 wurden die Schiffe von englischen Kampfflugzeugen bombardiert.

Beide Schiffe sanken auf den Meeresgrund und rissen ca. 7500 Gefangene mit in den Tod.

Bei dem Unglück gab es nur ca. 458 Überlebende.

 

 

 

 

 

Zwei Einzelschicksale:

 

Raymond Portefaix

 

Im Juni 1944 wurden Franzosen in das KZ Neuengamme gebracht. Unter ihnen war auch der gerade erst 18-jährige Raymond Portefaix. Er hatte vor kurzem sein Abitur gemacht und war einer der jüngsten Deportierten. Er kam aus einem kleinen Dorf namens Murat in Frankreich.

 

Am 1. August 1944 erreicht er das Außenlager Neuenkirchen. Er wird im ehemaligen Treibstoffbunker untergebracht, in dem die Häftlinge auf Holzpritschen zu schlafen haben. Allerdings hat nicht jeder Gefangene eine Pritsche, so dass sich die Männer eine 50 cm breite und scharfkantige Pritsche teilen müssen. Portefaix beschreibt das Gefühl in einem solchen Bunker zu leben als ein Gefühl des Erstickens, indem man lebendig begraben ist. In dem Bunker ist es stockdunkel, und die Ventilatoren brummen bis spät in die Nacht. Außerdem zieht sich die Kälte den ganzen Körper der Häftlinge hinauf, wogegen die dünnen Decken keinen Schutz bieten. Franzosen stehen wie die Griechen ganz unten in der Lagerhierarchie. Da Polen und Russen bereits seit 1943 im Außenlager Neuenkirchen sind, verfügen sie über eine entsprechende Lagererfahrung, die sie auch ausnutzen. Die begehrten Kapo-Posten sind bereits vergeben.

 

Morgens ertönt der Weckruf. Alle Häftlinge hasten, so schnell sie können, die Treppen hinauf. Auf dem Weg nach oben werden sie bereits von Kapos mit Schlagstöcken geschlagen und mit Füßen getreten, so dass sie grün und blau zum Appell anrücken.

Schließlich rücken die verschiedenen Arbeitskommandos zur Baustelle des U-Boot-Bunkers Valentin aus. Raymond durchläuft während seiner Lagerhaft mehrere Arbeitskommandos. Zuerst kommt er in das Arbeitskommando Arge Süd 2, wo Eisenstangen zu einer Maschine getragen werden müssen. Dort werden sie gekrümmt und anschließend wieder auf einen Waggon verladen. Erschwert wird die Arbeit durch Stahlsplitter, die sich in die Haut bohren. Auch muss Raymond in diesem Arbeitskommando feststellen, dass er als Franzose benachteiligt wird. Der Kapo gewährt ihm bei der Essensausgabe keinen Nachschlag.

Raymond versucht das Arbeitstempo zu verlangsamen, jedoch drohen ihm Peitschenhiebe, sollte ein Kapo dies bemerken. Am 4.  August 1944  wechselt Raymond das Arbeitskommando. Er kommt zu den Ingenieuren. Im Inneren des Bunkers muss Raymond an den hohen Eisenträgern hinaufklettern. Auf einer Art senkrechter Leiter in vierzig Meter Höhe sollen Stangen transportiert werden. Doch Raymond fällt es schwer, die Balance zu halten, da er sehr geschwächt ist und die Beine zu sehr zittern. Als er seine Schritte falsch abgeschätzt hat, fällt er in die Tiefe. Mit letzter Kraft findet er Halt und ein Kamerad zieht ihn nach oben. Doch ihm wird keine Zeit gelassen den Schock zu verarbeiten. Sofort muss Raymond die Arbeit fortführen.

Der 15. August soll der Tag der Befreiung sein, so wurde es Raymond erzählt. Die Hoffnung darauf hält ihn am Leben, auch als er an der Ruhr erkrankt. Er muss jedoch trotz seiner Erkrankung weiter arbeiten, und es werden ihm keine Pausen genehmigt. Nach ein paar Arbeitstagen im kranken Zustand versucht Raymond ins Revier eingewiesen zu werden. Doch in der Warteschlange befinden sich viele Häftlinge, die noch schwerer erkrankt oder verletzt sind. Er erhält lediglich eine Hand voll Holzkohle und wird zurückgeschickt.

Nicht nur auf Grund seiner Krankheit verschlechtert sich sein Zustand, auch die Arbeitsbedingungen im neuen Kommando, dem er nun zugewiesen wird, sind härter als zuvor. Fünfzig-Kilo-Säcke werden verladen, die locker durch die Luft geworfen werden sollen. Als er schließlich vor Erschöpfung zusammenbricht, bekommt er endlich seinen Krankenschein, der ihm ein paar Tage Ruhe verschafft. Jeden Morgen Tote, Röcheln, Gestank und eitrige Wunden sind die Begleitumstände, unter denen Raymond sechs Tage im Krankenrevier verbringt. Danach lässt er sich entlassen ohne Einspruch zu erheben.

Nach einer Zwischenstation im Arbeitskommando Arge Nord 1 wird er in das Arbeitskommando Arge Süd 1 zu den Betonmischern eingeteilt. Dies ist  die schlimmste Arbeit für Raymond. Mit einem Gewicht von nur noch knapp 40 Kilo muss er 50 Kilo Zement in die Betonmischer einführen, die 300 Sack pro Stunde schaffen. Somit muss das Tempo bei nur zehn Trägern extrem angezogen werden. Um das Tempo zu verringern, versucht Raymond die Leitungen der Betonmischer zu verstopfen, was ihm auch gelingt. So verschafft er sich eine kurze Verschnaufpause.

Nicht nur die Arbeit wird härter, auch der Hunger nimmt weiter zu. Statt einen Liter Suppe erhält Raymond nur noch die Hälfte. Schließlich ist der August zu Ende und mit ihm auch die Hoffnung auf Befreiung. Raymond gelingt es in die Küche eingeteilt zu werden. Beim Schlange-Stehen nach einem Krankenschein schummelt er sich in einem unbeobachteten Moment unter die bereits kontrollierten Kranken. Um weiter in dem Kommando zu bleiben, lässt sich Raymond einen abgelaufenen Krankenschein geben und ändert das Datum. Die Kennnummer beschmiert er mit Dreck. Wieder kommt er ohne Probleme durch. In der Wäscherei gelingt es ihm mehrere Hemden und Unterhosen zu entwenden. Auch bekommt er Essensreste aus der Küche. Zur gleichen Zeit  muss Raymond sich damit auseinandersetzten, dass ein Kamerad, der aus dem gleichen Dorf kommt wie er, vor Erschöpfung stirbt.

Dann läuft der gefälschte Krankenschein aus und Raymond muss in die Arbeitskommandos zurückkehren. Es wird Winter, und nur mit einem dünnen Hemd bekleidet und ohne Schuhe an den Füßen muss Raymond wieder an den Betonmischern arbeiten. Schläge für zu langsames Arbeiten sind an der Tagesordnung. Raymond versteckt sich unter einer Kiste, die 90 Zentimeter lang und 60 Zentimeter breit ist, um der Kälte zu entfliehen. Draußen zu arbeiten wäre der reine Selbstmord.

Schließlich wird Arge Nord aufgelöst Raymond kommt extrem abgemagert zu Arge Süd. Völlig durchgefroren sieht Raymond nur noch einen Ausweg: Er muss sich selber verstümmeln, um nicht an der Kälte einzugehen. Schließlich ritzt er sich mit dem Messer das Handgelenk auf um so die Ruhr vorzutäuschen. Um Durchfall zu bekommen, isst er gefrorene Kohlblätter und trinkt unsauberes Wasser. Sein Plan geht auf. Er kommt erneut ins Krankenrevier.

Um nicht wieder entlassen zu werden, infiziert Raymond sein Knie mit Dreck, was eine Schwellung hervorruft. Um sie zum Eitern zu bringen, sticht Raymond mit einem Messer  in die Abszesse. Die Verletzung darf nicht abheilen, da er sonst wieder arbeiten müsste und dabei wahrscheinlich an Entkräftung sterben würde. Deswegen nimmt Raymond eine Blutvergiftung in Kauf und verunreinigt seine Wunde weiterhin mit Dreck und Kot. Das Krankenrevier ist so überbelegt, dass die Kranken eng zusammengepfercht in großen Räumen liegen.    

Am 5.  April 1945 bereitet sich das ganze Krankenrevier auf die Entlassung vor. Nachdem Bomben die Decke des Bunkers durchschlagen und die Baustelle verwüstet haben, werden die Gefangenen verschleppt. Raymond gelangt das Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Dort muss er mit ansehen, wie Freunde sterben, die wie er bislang überlebt haben. Die Überlebenden, unter ihnen auch Raymond Portefaix, werden am 29. April 1945 von britischen Soldaten befreit. 

 

 

 

Adam Leja

 

 

Adam Leja wird als Sohn eines Postbeamten am 30. September 1909 in Ropczyce (Galizien) geboren. Das Abitur besteht er 1930 mit dem Schwerpunkt Geisteswissenschaften. Nach der Absolvierung der Fähnrichschule der Reserve in Torun ( Thorn ) im Juli 1931 besucht er die Offiziersschule, Fachbereich Ingenieurwesen, in Warschau. Im August 1934 schließt er sie als Leutnant mit der Spezialisierung Fernmeldewesen ab. 1937 wird er zum Oberleutnant und am 11. November 1942 zum Hauptmann befördert. 1938 wird er zum  Kommandeur der Funkstation der polnischen Armee in Równe ( Wolyn ) ernannt. Als am 17. September die Sowjet-Armee in Polen einfällt, evakuiert er die Funkstation ins noch unbesetzte Lemberg. Als die Stadt am fünf Tage kapituliert, flieht er aus dem Transport in die russische Kriegsgefangenschaft.

Im Januar 1940 gelangt er mit seiner schwangeren Frau und seiner fünf Jahre alten Tochter Magda über die grüne Grenze in das von Deutschen besetzte „Generalgouvernement“ und geht nach Warschau. Ab Februar 1940 dient er in der polnischen Untergrundarmee, die der polnischen Exilregierung untersteht. Dort organisiert er als „Offizier für Aufträge des Befehlshabers der Fernmeldetruppen im Hauptquartier“ u.a. die Kontrolle der Telefone für konspirative Zwecke. Mitte 1941 übernimmt er die Organisation und den Befehl über das Aufklärungsfernmeldewesen im Osten des besetzten Polens.

Auf Grund einer Denunziation durch einen Spitzel werden Adam Leja und seine Frau Helena am 17. Dezember 1942 von der Gestapo verhaftet. Im Untersuchungsgefängnis in der Szucha- Allee verbringt er drei Monate. Nachdem er am 18. März 1943 in die „Todeszelle“ im Gefängnis Pawiak verlegt worden ist, bringt man ihn zwei Monate nach Auschwitz. Dort steckt man ihn in die Strafkompanie und kennzeichnet ihn zusätzlich mit einem roten Punkt auf der Häftlingskleidung als Häftling, der besonders zu bestrafen ist. Die Strafkompanie wird als einzige in der Geschichte Auschwitzs nicht an die Wand gestellt, sondern deportiert. Leja bekommt die Häftlingsnummer 23008, als er Ende August oder Anfang September 1943 im KZ Neuengamme ankommt. Von dort wird er im Spätherbst oder Winter ins Außenlager Neuenkirchen geschickt, wo er unter einer anderen Nummer geführt wird.

Während der Gefangenschaft schreibt er trotz Verbots Karten und Briefe auf Polnisch, in denen er Verwandte darum bittet, seine Kinder bei sich aufzunehmen. Für Tochter Magda und Sohn  Jacek werden diese Schriftstücke später die einzigen Erinnerungsstücke an ihren Vater sein.

Aus einem Brief vom 1. Januar 1945 geht hervor, dass er an Tabak herankommt. Das ermöglicht es ihm wohl, das Wachpersonal zu bestechen, so dass er im Unterschied zu den meisten Häftlinge nicht körperlich zu arbeiten braucht und auch satt wird. Welcher Art seine offenbar zur Außenwelt  bestehenden Verbindungen gewesen sind, lässt sich nicht klären.

Nachdem die SS einen Teil der Häftlinge auf das Schiff „Cap Arcona“ in der Neustädter Bucht evakuiert hat, um die Verbrechen des Nazi-Regimes vor den Alliierten  zu vertuschen, gerät dieses  Schiff zusammen mit dem Frachter „Thielbeck“, auf dem sich ebenfalls Häftlinge befinden,  irrtümlich ins Fadenkreuz britischer Kampfflugzeuge. So werden beide Schiffe versenkt. Trotz des Kriegsendes mussten ca. weitere 7500 Häftlinge sterben. Auch Adam Leja starb am 3. Mai 1945 laut Auskunft des Internationalen Suchdienstes in Arolsen an Bord der „Cap Arcona“.

 

 

Quellen:

Schmidt u. Becker (1996), Zeitspuren (2005), Portefaix,

Unterlagen der Familie Leja;

Bericht Magda Lejas am 3. Mai 2006.

 

 

 

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