1527

bis

1797

SCHULEN IN MUNSTER 

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DIE KÜSTERSCHULE                            -                  1527 bis 1600

"Auf Grund des Landtagsbeschlusses von Scharnebeck (bei Lüneburg) 1527 führte Herzog Ernst überall in den Kirchen die Lehre Luthers ein. Dieser Vorgang war bis 1529/30, abgesehen von einigen Städten und Klöstern, im ganzen Lande abgeschlossen; deshalb wird um diese Zeit auch die Reformation in Munster eingeführt worden sein. Infolge dieser Umstellung wurden viele Klöster im Lande aufgelöst und die geistlichen Güter von den Fürsten übernommen, die damit ihre durch verschwenderische Hofhaltung und kostspielige Fehden entstandenen unermesslichen Schulden abzudecken versuchten. Doch diente auch ein großer Teil dieser Güter der Wohlfahrt des Landes und nicht zuletzt dazu, Schulen in den Städten und Dörfern ins Leben zu rufen.

So wird in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Schule in Munster gegründet worden sein und den Küstern Joh. Ewigleben und Magnus Siefers, die etwa in der Zeit von 1560 bis 1600 an der Kirche tätig waren, auch die Erfüllung schulmeisterlicher Aufgaben anvertraut worden sein.

Die Bauern waren anfänglich aber wenig geneigt, ihre Kinder in die Schule zu schicken, ganz im Gegensatz zu den Bürgern der Städte, die um diese Zeit schon aus größerem geistigem Interesse dem Streben nach Schulbildung aufgeschlossen gegenüberstanden. Unsere ländliche Bevölkerung schätzte den Schulunterricht nicht nur gering ein, sie war ihm darüber hinaus meist auch feindlich gesonnen, da er keinen Nutzen brachte, ihnen nur die Kinder aus  der Arbeit nahm und obendrein noch Kosten verursachte.

                                                                                                            nach 1648

Es wurde damit erst besser, als nach dem 30jährigen Kriege die Anordnungen der Behörden dringender und schärfer und Widerstände durch Zwang und Strafe gebrochen wurden."

Wilhelm Wolter, Munster - Entwicklung einer Stadt, Faßberg 1972, S. 83

 

SCHULEN IN DEN AUßENDÖRFERN               -    ab 1654

"Die Schulen in den Außendörfern unseres Kirchspiels müssen in der Zeit zwischen 1654 und 1688 entstanden sein. In der Schulordnung des Herzogs Christian Ludwig von 1654 war angeordnet, dass die Kinder  „sowohl des Sonn- und Festtages, als auch des Montages und Freitages den Vormittag über zur Schule kommen, was sie vorher erlernet, repetieren und wiederholen und das Viehehüten und andere Arbeit (die Eltern) durch ihr Gesinde verrichten lassen sollen.“ Daraufhin hatte der Amtmann zu Ebstorf es mit „schuldigem Fleiß und gebührendem Ernst“ versucht, überall Schulen ins Leben zu rufen, dass er kurze Zeit später darüber berichten konnte, „es nunmehro tadellos dahin und soweit gebracht zu haben, das nicht allein die Jungen und Mägdelein in die Schule zur Lehre und Examine kommen, sondern … der meiste Haufen der Kleinen und erwachsenen Kinder … fein antworten und den gantzen catechismus fast fertig hersagen können.“

Die Aufsicht über den Schulunterricht, dass er ordnungsgemäß durchgeführt wurde, hatte der Pastor am Ort, der wiederum seine Weisungen nicht allein für die Kirche, sondern auch für die Schule vom Superintendenten, für Munster aus Ebstorf erhielt. Einmal im Jahr kam dieser nun aus Ebstorf herüber nach Munster, um zu visitieren und sich an Ort und Stelle über Kirche und Lehre, über alle inneren und äußeren Dinge zu orientieren und mit Lob und Tadel das zu regeln, was auf diese Weise zu ordnen ging.

Von einer solchen Kirchen- und Schulvisitation aus dem Jahre 1667 haben wir noch genaue Kenntnis.

Aus dem Visitationsbericht des Superintendenten von 1669 und einem Bericht des Amtmanns aus dem Jahre 1688 erfahren wir dann zum ersten Mal etwas über die Existenz der Schulen in den Außenbezirken. In jener Zeit hatten schon eine eigene Schule:

  1. Trauen, wohin auch die Kinder aus Oerrel und Sültingen zu gehen hatten,
  2. Schmarbeck mit den dazugehörenden Dörfern Kreutzen, Poitzen und Ohe und
  3. Alvern mit Töpingen."

Wilhelm Wolter, Munster - Entwicklung einer Stadt, Faßberg 1972, S. 86

                                                                            1672 bis 1723

Die Meinung der Bauern  über den Wert der Schule hatte sich im Verlauf der folgenden Jahrzehnte ein wenig geändert, das ging bei uns soweit, dass sie am liebsten in jedem Dorf mit Rücksicht auf die Kinder eine eigene Schule mit einem eigenen Schulmeister gehabt hätten. Breloh versuchte es 1672 zuerst, und 1718 wollten auch die Einwohner von Kohlenbissen und Dethlingen durch eine Eingabe an das Amt zu einer eignen Schule kommen. Die Bauern fürchteten nämlich um die Gesundheit ihrer Kinder, insbesondere der Kleinen, für die der „schlimme Weg nach Munster“ zu weit sei. Man gab die Entfernung von Kohlenbissen bis nach dem Schulhause in Munster mit 3885 Schritt an. Die Erlaubnis sollte nur erteilt werden, wenn sie das halbe Schulgeld auch weiterhin an den Küster in Munster zahlen würden (für jedes Schulkind musste jährlich ½ Taler bezahlt werden ).

Da die wenigen Bewohner der beiden Dörfer aber nicht in der Lage waren, einen eigenen Schulmeister zu halten und dann noch Schulgeld zu zahlen, blieb es, wie es war, doch versuchten es die beiden Gemeinden 1723 noch einmal. Sie argumentierten diesmal damit, dass die Schule in Munster ursprünglich nicht für die Außendörfer bestimmt gewesen sei, nur Pastor Rothard hätte sie (die Bauern) 1670 gezwungen, ihre Kinder in die Küsterschule zu schicken. Er hätte nur als Schwiegersohn des Küsters die Einkünfte seines Schwiegervaters aufbessern wollen. Es nützt aber alles nichts, auch 1723 wurde ihre Bitte wieder abgelehnt.                                                       Archiv Lüneburg Rep F 62   ohne Nummer

Wilhelm Wolter, Munster - Entwicklung einer Stadt, Faßberg 1972, S. 86

                                                                                                1734

1734 bestanden in unserem Kirchspiel sechs Schulen, und zwar neben der Küsterschule solche in Alvern, Töpingen, Breloh, Oerrel und Schmarbeck.             Der Wechsel von einem Ort zum anderen ist damit zu erklären, dass keine eigenen Schulhäuser bestanden und der Schulraum von Zeit zu Zeit von einem zum anderen Bauern verlegt wurde. In einer Beschreibung der Schulverhältnisse finden wir die Angaben, dass jede Schule von etwa zehn Kindern, die von Michaelis bis Johannis alle Tage kamen, besucht wurde und die Schulmeister von jedem Kind 9 mgr. für ein  Quartal erhielten, in Alvern und Töpingen auch noch je ein Brot und ein Pfund Butter, weil sie dort nicht „von den Bauern gespeiset“ wurden.

Der Lehrer in Alvern, so hieß es, „schneidet hölzerne Löffel und ist Imker“, weshalb er im Sommer auch nur bis Ostern Schule halten kann, da er „mit dem Immen fort muss“.

Ebenfalls Imker waren die Lehrer in Breloh und Schmarbeck, die nebenbei auch noch „Strümpfe knüttelten“, und diejenigen in Oerrel und Töpingen waren als Schneider tätig.

Im allgemeinen wurden sie aber 1734 als geeignet angesehen mit einem einwandfreien Lebenswandel. Trotzdem wird es bei ihnen allen nur äußerst knapp und dürftig zugegangen sein, wobei auch der Küster und Schulmeister aus Munster nicht ausgenommen war. 

Das merken wir aus einer Begebenheit im Jahre 1660, als Küster Schröter, der schon mehr als 20 Jahre die Schule Munster betreute, durch einen Handel mit Ochsen seine Einnahmen etwas aufbessern wollte. Eines Tages ging er nach Uelzen, um dort etliche Tiere zu erstehen und sie in der Winsener Marsch mit Gewinn wieder zu verkaufen. Scheinbar misslang aber der gewinnbringende Handel, denn er setzte mit seinem Erlös von 45 Rtl über die Elbe“ und kehrte nie wieder zurück. Da er seine Frau mittellos in Munster zurückgelassen hatte, nahm sich Pastor Dedekind, derzeit Pastor in Munster, der Sache an und ließ Nachforschungen über den Verbleib des Mannes anstellen. Leider ohne Erfolg! Niemand wusste, wo er abgeblieben und was mit ihm geschehen war. 

Die Dienste des Küsters und Schulmeisters versah darauf der Sohn des Pastors, der später auch amtlich in die Stelle übernommen wurde. Sein Einkommen bestand aus dem Schuldgeld der Kinder und neben freier Wohnung im Küsterhause und freiem Torfstich aus 10 Himten Roggen ( 1 Himten 16 gr = 6 Rtl 2gr),   41  Schultern vom Schwein (24 Rtl), 516 Eiern (12 Stck 1 Pfg = 1 Rtl 19 gr) und 86 Broten (1 Stck 3 gr = 10 Rtl 18 gr)."      Archiv Lüneburg Rep F 61 Nr. 36

                                                                           1752   -   1797

Die Kenntnisse waren bei den Schulmeistern in Munster wesentlich besser als bei den oben erwähnten, das geht schon aus der Tatsache hervor, dass einmal bei der Vakanz der Pastorenstelle der Küster fast vier Monate nicht nur den Konfirmandenunterricht übernahm, sondern auch regelmäßig den Gottesdienst sonntags und während der Fastenzeit auch freitags abhalten und die Kirchenbücher ordnungsgemäß und sorgfältig führen konnte. Und das alles neben seinen nicht unerheblichen Pflichten als Lehrer und Küster, so dass ihm, da er die Aufgaben zu aller Zufriedenheit gemeistert hatte, von der Kirche ein Geschenk von 15 Rtl zuteil wurde.        Archiv Lüneburg Rep F 61 Nr. 36

Wilhelm Wolter, Munster - Entwicklung einer Stadt, Faßberg 1972, S. 87

Das Küsterhaus war sehr klein und nur dürftig ausgestatte, denn bei einer Abschätzung zur Brandversicherung 1752 wurden nur16 Taler dafür als Wert angegeben.  Es hieß in der Liste: „Ein klein Häusgen in Munster, so ein schuel genandt wird  = 16 Rtl“. Andere Schulen wurden weit höher eingeschätzt und mit mindestens 45 Rtl bis gar zu 192 Rtl verzeichnet.                                                                                  Archiv Landratsamt Oldenstadt (Uelzen)

Wenn der Küster verstarb oder versetzt wurde, hatte er seinem Nachfolger eine „eiserne Kuh“ zu hinterlassen, d.h. der nachfolgende Lehrer hatte Anspruch darauf eine Kuh im Stalle für sich vor zu finden, die ihm sein Vorgänger kostenlos überlassen musste. Natürlich gab dies Erbstück einer „eisernen Kuh“ oft Anlass zu Klagen, da verständlicherweise nicht immer das beste Stück übergeben wurde. Diesem veralteten Brauch setzte der Küster Hans Michel Lose, der bei seinem Antritt nur eine „alte unbrauchbare Kuh“ übernommen hatte, 1797 ein Ende. Er erbot sich, „bei seinem Abgang 10 Rtl statt der Kuh zu hinterlassen“, und so wurde in Zukunft stets verfahren. Übrigens musste auch der Pastor beim „Versetzen oder Versterben“, zwei solcher „eisernen Kühe“ seinem Nachfolger zurücklassen.                                                                                                                   Archiv Lüneburg Rep F 62 Nr. 25

Wilhelm Wolter, Munster - Entwicklung einer Stadt, Faßberg 1972, S. 88

  Visitationsbericht 1796