Neuanfang
  Neuanfang in der Kleinstadt Lohne / Oldenburg
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Pausewang-Bild

Lohne - für viele Vertriebene ein neuer Anfang.
Würde es auch eine neue Heimat für sie werden?

 

 

 

 

Vertriebene auf der Flucht - gezeichnet von dem aus Schlesien stammenden und in Lohne ansässig gewordenen Maler Joseph Andreas Pausewang (1908-1954)

Den in Westdeutschland ankommenden Vertriebenen begegnete oft Hilfsbereitschaft, aber auch viel Ablehnung. Für die Einheimischen bedeutete die Ankunft der Vertriebenen eine Umwälzung der Lebensverhältnisse, nicht nur, dass die Vertriebenen aufgenommen und vieles für sie abgegeben werden musste, es kam auch zu einer starken Veränderung der ursprünglichen Lebensverhältnisse.

Die Kleinstadt Lohne in Südoldenburg (siehe rechts) hatte 1945 ca. 8000 Einwohner. Dazu kamen dann in den Folgejahren etwa 3700 Vertriebene. Die britische Besatzungsmacht verlangte bei jedem eintreffenden Vertriebenentransport von der Stadtverwaltung, dass alle Angekommenen innerhalb von 24 Stunden angemessen untergebracht wurden, erforderlichenfalls durch Zwangseinweisungen und durch Beschlagnahme von Wohnraum. Die Stadt versuchte, neben der Unterbringung in Privatquartieren, Notunterkünfte zu erstellen oder solche zumindestens für eine Übergangszeit, bewohnbar zu machen. Genutzt wurden z.B. Baracken, die zur Unterbringung von ehemaligen Kriegsgefangenen dienten, aber auch leer stehende Hühner- oder Schweinställe wurden oft in sehr primitiver Art für einen Aufenthalt der Menschen hergerichtet.

 

Lage der Stadt Lohne

Als äußerst schwierig zeigte sich die Versorgung der Vertriebenen mit Möbeln, Hausrat, Bekleidung und Verpflegung. Die meisten waren ohne Habe nach Lohne gekommen und standen in der „neuen Heimat“ buchstäblich vor dem Nichts. Wenn jemand auf dem Lande in der Umgebung Lohnes eine Unterkunft zugewiesen bekam, konnte er sich manchmal glücklich schätzen, weil er bei den Bauern mitarbeiten durfte, um sich einen Teil des Essens sowie der Hausfeuerung zu verdienen. In einem Bericht des Bürgermeisters vom Juni 1946 hieß es u.a.:

„Die Stimmung der Bevölkerung infolge der unerquicklichen Verhältnisse bei den Einheimischen ist gedrückt, bei den Vertriebenen niedergeschlagen. Es fehlt jegliche Aussicht auf eine baldige angemessene Unterbringung und Beschäftigung oder Rückkehr in die frühere Heimat“.

Die Lebensmittelzuteilung auf Karten war äußerst knapp bemessen. Mitte des Jahres 1947 belief sich die monatliche Zuteilung für einen Normalverbraucher auf
150 g Fett, 300 g Fleisch und  7 kg Brot.
Kartoffeln gab es so gut wie gar nicht.

Schwer betroffen von  der Not war auch die Jugend, vor allem die schulpflichtigen Vertriebenen evangelischer Konfession. Diese Kinder wurden ab August 1947 in einer eigens für sie erstellten Schulbaracke unterrichtet.
Von den dort untergebrachten
140 Schülern waren nach einer ärztlichen Untersuchung

  • 128 Schüler unterernährt,
  • 40 Schüler kamen ohne Frühstück und ohne Schulbrot zum Unterricht.

Das evangelische Hilfswerk schaffte hier durch eine eingerichtete Schulspeisung allmählich Abhilfe.
In den 50er Jahren erfolgte dann schrittweise die Eingliederung der Vertriebenen. Die große Umschichtung, die sich soziologisch, beruflich und konfessionell durch die Heimatvertriebenen vollzog, beeinflusste die wirtschaftliche Entwicklung Lohnes von der einst landwirtschaftlichen Orientierung zur gewerbewirtschaftlichen Struktur. Hervorzuheben ist auch die Zusammenfindung der katholischen und evangelischen Konfession, die ökumenische Bewegung.
Schon 1952 erklärte die Stadt Lohne die Stadt Mittelwalde in Schlesien, aus der viele Vertriebene kamen,  zu ihrer Patenstadt.

 

 

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